DGB-Chef Sommer sorgt sich um Zustand der SPD

Hamburg. "Sie hat die Schröder-Zeit und die Agenda 2010 immer noch nicht hinter sich gelassen." Nach dem schwachen Abschneiden der SPD bei den jüngsten Landtagswahlen hat sich DGB-Chef Michael Sommer besorgt über den Zustand der Sozialdemokraten geäußert. "Der SPD fehlt ein klares Profil", sagte Sommer im Abendblatt-Interview. "Die SPD hat mit der Agenda 2010 den Wert von Arbeit infrage gestellt. Das ist genauso, als würden die Grünen die Atomkraft verteidigen. Wahlen gewinnt man so nicht."

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterstrich: "Der Zustand der sozialdemokratischen Volkspartei macht mir Sorgen - auch unter strategischen Gesichtspunkten." Es müsse Alternativen geben zu Schwarz-Gelb und Schwarz-Grün. Beide machten "am Ende konservative Politik". Sommer diagnostizierte eine "strukturelle Schwäche" der SPD. "Sie kommt aus ihrem 25-Prozent-Getto nicht heraus", sagte er. Den Wahlerfolg in Hamburg beschrieb der DGB-Chef als "Sondersituation". Die Menschen in der Hansestadt hätten nach dem Abgang von Bürgermeister Ole von Beust "eher mit der CDU abgerechnet".

Scharf ging Sommer mit der FDP ins Gericht. "Politisch ist es kein großer Unterschied, ob die FDP von Westerwelle, Rösler oder Lindner geführt wird", sagte er. "Die FDP fördert den grenzenlosen Kapitalismus und stellt sich gegen den sozialen Fortschritt." Ein sozialer Staat sei mit dieser Partei kaum zu machen.