RAF-Mord an Buback

Keine Klarheit über Verena Beckers Rolle

| Lesedauer: 2 Minuten

Auch die Befragung von RAF-Aussteiger Boock bringt keine neuen Erkenntnisse zu Planung und Ablauf des Mordes an Siegried Buback.

Stuttgart. Einblicke in das Innenleben der „Roten Armee Fraktion“ – aber keine neuen Erkenntnisse über die Rolle von Verena Becker. Auch der fünfte Tag der Vernehmung von RAF-Aussteiger Peter- Jürgen Boock vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gab keine Hinweise darauf, dass die angeklagte Verena Becker eine maßgebliche Rolle bei der Vorbereitung und Organisation des Mordanschlags auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 spielte.

Die Befragung Boocks durch die Verteidiger Beckers brachte am Donnerstag allerdings auch keinen klaren Entlastungsbeweis. Die Verteidiger befragten Boock zu einem gefälschten zypriotischen Pass, der mit einem Bild Beckers versehen war. Dieser Pass wies einen Einreisestempel des Flughafens in Teheran vom 22. März 1977 und einen Ausreisestempel vom 8. April 1977 auf. Ein Aufenthalt im Iran hätte also genau den Tatzeitpunkt abgedeckt. Bei den Stempeln habe es sich jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach um eine „zusammengestellte Reiselegende“ gehandelt, sagte Boock. Zu diesem Zweck habe die RAF Einreisestempel gefälscht. „Wir hatten eine Dokumentation, in der wir so viele Stempel wie möglich gesammelt haben. Es wurde auch Leute losgeschickt auf verschiedenen Routen, um Muster zu bekommen.“ Boock ist zentraler Zeuge der Anklage gegen die Ex-Terroristin Verena Becker, die als Mittäterin des Mordanschlags auf den Generalbundesanwalt angeklagt ist. Wegen des Attentats wurden als unmittelbare Täter die RAF-Mitglieder Christian Klar und Knut Folkerts verurteilt. Als drittes Kommandomitglied gilt Günter Sonnenberg, der aber aufgrund eines Kopfschusses bei seiner Verhaftung verhandlungsunfähig war und wegen des Buback-Mordes nicht verurteilt wurde. Boock sagte, er gehe davon aus, dass Geheimdienste Einfluss auf die „Rote Armee Fraktion“ hatten. Wie genau dieser Einfluss ausgesehen haben könnte, erläuterte Boock allerdings nicht. Er habe erst von Journalisten erfahren, dass Verena Becker und andere RAF- Mitglieder in der Haft mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet haben sollen. Auch erwähnte er die militärische Ausbildung einiger RAF-Mitglieder in der DDR. Bubacks Sohn Michael geht davon aus, dass Verena Becker selbst seinen Vater erschossen hat und anschließend von Geheimdiensten geschützt wurde. (dpa)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Deutschland