Röttgen folgt Rüttgers auf den CDU-Chefsessel in Düsseldorf

Klares Votum der Parteibasis für den Bundesumweltminister

Berlin/Düsseldorf. Norbert Röttgen hat auf Risiko gespielt - und alles gewonnen. Der Bundespolitiker hat tatsächlich die "Landeslösung" Armin Laschet an der Spitze der nordrhein-westfälischen CDU ausgestochen und wird nach dem Willen der Parteibasis Nachfolger von Jürgen Rüttgers neuer Landesvorsitzender der Partei. Damit dürfte der jugendlich-ergraute Meckenheimer seine Chancen als Hoffnungsträger der Union auch auf Bundesebene wahren.

Bei der Mitgliederbefragung war es für ihn vor allem um die Frage gegangen, ob er sich die Chance, eines Tages Nachfolger von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zu werden, würde erhalten können. Röttgens Ehrgeiz soll mit dem Amt des Umweltministers noch lange nicht befriedigt worden sein, heißt es in der Partei. Und der nordrhein-westfälische CDU-Verband ist der bei Weitem größte und mächtigste von allen Landverbänden.

Wer am kommenden Sonnabend dann auch offiziell zum Landesvorsitzenden gewählt wird, könnte auch für den frei werden Vize-Posten an der Bundesspitze der CDU antreten und sich eine breite Machtbasis sichern. Im Kampf um den Chefposten im Landesverband waren in den vergangenen Wochen zwei Männer angetreten, die sich als Freunde bezeichnen, politisch gleiche Ziele verfolgen, jedoch unterschiedliche Karrieren anstrebten - bislang. Noch zu Bonner Regierungszeiten gehörten beide zur "Pizza-Connection", einem Zirkel junger CDU-Politiker, die Kontakt zu den Grünen suchten. Laschet wurde später Mitglied im Europaparlament und 2005 Integrationsminister der schwarz-gelben Düsseldorfer Regierung.

Für den 49-Jährigen war der Landesvorsitz die vorerst letzte Chance auf einen Platz in der ersten Reihe der Politik. Nach der Wahlniederlage im Mai hatte er als Fraktionschef im Landtag kandidiert und hauchdünn gegen seinen früheren Kabinettskollegen Karl-Josef Laumann verloren. Der 45-jährige Röttgen kandidierte aus einer bequemeren Position: Er ist seit einem Jahr Mitglied der Bundesregierung und hatte davor das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Bundestagsfraktion inne. Mit seiner Kandidatur um den Landesvorsitz hatte er einen Machtkampf ausgelöst, den führende Landespolitiker vermeiden wollten: Die meisten CDU-Funktionäre in Nordrhein-Westfalen hatten seinen Gegenkandidaten Armin Laschet unterstützt. Bei der Vorstellungsrunde an der CDU-Basis hatte jedoch Norbert Röttgen stets den meisten Beifall für seine Auftritte erhalten.