Politiker in der EU setzen auf Atomrenaissance

Berlin. Politiker in ganz Europa entdecken derzeit die Kernenergie neu. Nicht nur in Deutschland werden die Laufzeiten verlängert, andere Staaten wie Italien, Schweden oder Finnland streben sogar Neubauten an. Angesichts der Debatte um niedrigere Strompreise und Klimaschutz erlebt die Atomenergie zumindest bei Politikern eine Renaissance.

Vor der Einigung der schwarz-gelben Koalition auf zwölf Jahre längere Laufzeiten hatte die deutsche Atomlobby die Koalitionäre immer wieder auf die Situation in Skandinavien hingewiesen. Der finnische Reichstag beschloss jüngst den Bau zweier neuer Reaktoren, zuvor hatte das schwedische Parlament nach 30 Jahren das Verbot von AKW-Neubauten aufgehoben und den Weg für neue Kernkraftanlagen als Ersatz für die bisherigen zehn Reaktoren freigemacht.

Der Weltenergierat Deutschland - ein Verbund von Energiekonzernen - forderte im August eine Atomkraft-Renaissance. Alle europäischen Kernenergiestaaten, bis dahin mit Ausnahme Deutschlands, hätten sich für eine faktische Laufzeitverlängerung entschieden, hieß es. Aktuell sind weltweit 436 Atomreaktoren in 30 Ländern in Betrieb, die rund 14 Prozent der globalen Stromversorgung liefern. Das Deutsche Atomforum verweist darauf, dass sich von 2008 bis 2009 die Neubauprojekte von zehn auf 20 Kraftwerke verdoppelt hätten.