Merkels Vertrauter löst CDU-Machtkampf aus

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Christian Unger

Umweltminister Röttgen tritt zum Duell in NRW an. "Ambitionen auf die Kanzlerschaft"

Berlin/Düsseldorf. Lange waren es nur Spekulationen, jetzt ist der Machtkampf um den Vorsitz in der nordrhein-westfälischen CDU ausgebrochen: Bundesumweltminister Norbert Röttgen gegen Ex-Integrationsminister Armin Laschet. Röttgen kündigte in einem Brief an CDU-Abgeordnete und Parteifunktionäre seine Kandidatur gegen Laschet an. Er sei auch bereit, die NRW-CDU als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu führen, heißt es in dem Schreiben.

Mit der Kandidatur geht Röttgen aufs Ganze. Setzt er sich am Ende gegen Laschet durch, dürfte er endgültig zur ersten Riege in der Union gehören. Nicht wenige in der Partei trauen ihm die Kanzlerschaft zu. Röttgen ist ehrgeizig, rhetorisch versiert und gilt vielen als Hoffnungsträger einer Generation der Modernisierer in der CDU. "Mit einem Sieg in NRW stärkt Röttgen seine Ambitionen auf die Kanzlerschaft, die ihm viele in der Union nachsagen", sagte der Parteienforscher von der Uni Bonn, Gerd Langguth, dem Abendblatt. Die NRW-CDU ist mit rund 160 000 Mitgliedern der größte CDU-Landesverband in Deutschland. Die Delegierten aus NRW stellen etwa ein Drittel bei den bundesweiten Parteitagen der CDU.

Doch Röttgen setzt auf Risiko. Mit seiner Kandidatur tritt der Bundesumweltminister, einer der engsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), gegen die geballte Riege der Landespolitiker an, die Laschet als neuen Chef bevorzugt. Ein Scheitern könnte seiner bislang steilen Karriere einen empfindlichen Dämpfer verpassen. "Verliert Röttgen, leidet seine Autorität in Berlin", sagt Langguth. "Gewinnt er, ist die Autorität die eigentlichen Oppositionsführer der CDU in NRW, Laschet und Laumann, gegenüber der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft arg ramponiert." Auch das sei ein Risikofaktor für die CDU in NRW.

Entscheiden sollen das Duell die Parteimitglieder. Beide Kandidaten haben sich für eine Befragung der Basis ausgesprochen. Laschet sagte gestern: "Die Mitglieder sollen entscheiden, wie wir uns optimal gegenüber der von der Linken gestützten rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen aufstellen." Für Laschet ist der Landesvorsitz wohl die letzte Chance auf eine herausgehobene Position in der CDU. Als Integrationsminister genoss der 49-Jährige bundesweite Aufmerksamkeit und war auch für höhere Positionen im Gespräch. Doch bei der Wahl des Fraktionschefs unterlag er seinem Ex-Kabinettskollegen Karl-Josef Laumann hauchdünn. Auch Röttgen plädiert schon länger für eine Mitgliederbefragung. "Ich finde, sie sollten entscheiden, anstatt dass einige wenige Personen Posten unter sich aufteilen", heißt es in seinem Schreiben. Ein Votum der Basis sei "eine gute Grundlage für einen glaubwürdigen Start nach der bitteren Niederlage bei der Landtagswahl".

Der CDU-Außenpolitiker und Vorstand der Landesgruppe NRW im Bundestag, Ruprecht Polenz, begrüßte, dass die NRW-CDU jetzt die "Auswahl zwischen zwei sehr qualifizierten Bewerbern" habe. Röttgen müsse allerdings schnell klarstellen, wie er die Partei am Rhein wieder an die Regierung führen will - auch von Berlin aus, sagte Polenz dem Abendblatt. "Er muss bereit sein, nach der nächsten Landtagswahl nach Düsseldorf zu gehen und sein Berliner Ministeramt aufzugeben."