Arbeitslosigkeit sinkt

Wirtschaft erwartet Boom auf dem Arbeitsmarkt

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Arbeitgeberpräsident Hundt rechnet bald mit weniger als drei Millionen Arbeitslosen. Wachstum so stark wie seit 1990 nicht mehr.

Hamburg. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rechnet mit einer weiteren deutlichen Entspannung am Arbeitsmarkt. "Ich bin sehr optimistisch, dass die Arbeitslosigkeit im Herbst die Drei-Millionen-Grenze unterschreitet", sagte Hundt im Abendblatt-Interview. "Wir erleben einen überraschend starken Aufschwung, es boomt in vielen Branchen." Ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent sei in diesem Jahr möglich. Die Arbeitslosenquote lag im Juli noch bei 3,2 Millionen.

Forderungen nach höheren Löhnen wies Hundt gleichwohl zurück. "Ich warne vor einer Diskussion über Lohnerhöhungen zur Unzeit", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Im Moment muss alles verhindert werden, was den Aufschwung bremst. Es dürfen keine zusätzlichen Kosten auf die Unternehmen zukommen - weder durch höhere Steuern und Abgaben noch durch unangemessene Lohnerhöhungen."

Hundt führte die positive wirtschaftliche Entwicklung auch auf die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung zurück. "Die Große Koalition hat zu Beginn der Krise richtige Maßnahmen ergriffen", sagte er. "Die jetzige Regierung hat diese Politik erfolgreich fortgesetzt, und sie leitet zum richtigen Zeitpunkt die notwendige Konsolidierung des Bundeshaushaltes ein."

+++ Hundt warnt vor Lohnerhöhungen +++

Das Statistische Bundesamt teilte am Freitag mit, dass die deutsche Wirtschaft so rasant wie noch nie seit der Wiedervereinigung wächst. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal um 2,2 Prozent zu. Die Bundesregierung, die bisher von einem Wachstum von 1,4 Prozent für 2010 ausgegangen ist, hält nun ein Plus von mehr als zwei Prozent für möglich. "Wir erleben derzeit einen Aufschwung XL", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Die aktuellen Zahlen seien "eine klare Ermutigung, den Ausstieg aus der staatlichen Krisenfürsorge fortzusetzen". Zugleich solle der Weg der Haushaltskonsolidierung weitergegangen werden.

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) will angesichts der starken Konjunktur seine Wachstumsprognose für 2010 kräftig anheben. "Wir erwarten für Deutschland in diesem Jahr ein Wachstum von mindestens 2,5 bis 3,0 Prozent", sagte HWWI- Konjunkturchef Michael Bräuninger dem Abendblatt. Zuvor hatten die Forscher nur 1,5 Prozent Zuwachs erwartet. Die deutsche Konjunktur entwickele sich in Richtung eines selbsttragenden Aufschwungs. Bräuninger geht davon aus, dass Deutschland Anfang 2012 wieder eine Wirtschaftskraft wie vor der Krise erreicht.

Deutlich skeptisch äußerte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. "Aus meiner Sicht erleben wir im Augenblick ein Zwischenhoch, das den sehr expansiven Maßnahmen der Fiskalpolitik und der Geldpolitik geschuldet ist", sagte Bofinger "Zeit Online". Dem Volkswirt zufolge droht die Konjunktur schon bald wieder einzubrechen.