Amt des Bundespräsidenten

Joachim Gauck wirbt bei Parteien um Zustimmung

Erster Besuch am Wochenende bei der CDU in NRW, heute bei Parteivorständen in Berlin. Lebensgefährtin Schadt gibt Journalisten-Beruf auf.

Hamminkeln/Berlin. Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck wirbt nach dem Krach in der schwarz-gelben Regierungskoalition um Zustimmung bei den Parteien. Den Anfang machte der 72-Jährige am Wochenende bei der CDU in Nordrhein-Westfalen im niederrheinischen Hamminkeln. Das Treffen sei eine Gelegenheit zu zeigen, "dass die ursprünglichen Pläne der Union und meine Person gut zueinander passen", sagte der Pfarrer und frühere DDR-Bürgerrechtler.

Nordrhein-Westfalen stellt den größten CDU-Landesverband - und der hatte sich 2010 vor der Bundespräsidentenwahl geschlossen zu Gaucks damaligem Konkurrenten Christian Wulff bekannt. Fast ebenso geschlossen bekannten sich die Parteichefs am Sonnabend nach etwa zwei Stunden Gespräch nun zu Gauck. Norbert Röttgen, der Vorsitzende der Landes-CDU, sagte später, Gauck habe einen "starken Eindruck" hinterlassen. Den Besuch nannte er "hervorragend". Auch Peter Hintze, Chef der Landesgruppe NRW der CDU im Bundestag, gab sich beeindruckt von der Vita Gaucks und dessen Persönlichkeit. Zu aktuellen politischen Themen nahm Gauck nicht öffentlich Stellung: "Ich werde noch nichts darüber sagen, was ich vorhabe, oder schon gar nicht, was ich für ein toller Typ bin", sagte er.

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Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt will künftig nicht mehr als Journalistin arbeiten und sich stattdessen neuen Aufgaben in Berlin zuwenden. "Es gibt aber noch keine konkreten Entscheidungen. Ich weiß im Moment noch nicht so genau, wie es weitergeht", sagte die 52-Jährige in Fürth. Die Situation sei einfach noch so neu für sie. Schadt, die bisher bei der "Nürnberger Zeitung" als Leitende Politikredakteurin beschäftigt war, lebt seit rund zwölf Jahren mit Gauck zusammen. Nach ihren Informationen sei es wohl kein Problem, wenn die Frau an der Seite des Bundespräsidenten einen Beruf ausübt, sagte sie weiter. "Es gibt keine in der Verfassung vorgesehenen Aufgaben für die First Lady. Man kann das als Partnerin des Staatsoberhaupts also so oder so handhaben."

Neuer Chef des Bundespräsidialamtes soll nach der Wahl von Joachim Gauck zum Staatsoberhaupt der evangelische Kirchenbeamte David Gill, 45, werden. Das berichten unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Stimmen aus Gaucks Umgebung. Der Jurist ist Oberkirchenrat in der Hauptstadtvertretung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Sozialdemokrat.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den "Focus" wünschte sich jeder zweite Bundesbürger, dass sich Gauck in seiner Amtszeit verstärkt zum Thema der sozialen Gerechtigkeit äußere. 21 Prozent wollten als Schwerpunkt den Zustand des Kapitalismus, elf Prozent die Integration von Ausländern und sieben Prozent die Vollendung der deutschen Einheit. Die Freiheit - ein Kernthema Gaucks - wünschen sich der Umfrage zufolge acht Prozent als Themenschwerpunkt.

Der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde soll am 18. März als Nachfolger für Christian Wulff von der Bundesversammlung in das höchste Staatsamt gewählt werden. Heute wird er bei den Vorstandssitzungen von CDU und SPD erwartet. Später will er die Fraktionen besuchen. Auch einem Gespräch mit der Linkspartei, die seine Kandidatur ablehnt, will er sich seinem Sprecher zufolge nicht verweigern.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erwartet von einer Präsidentschaft Gaucks positive Auswirkungen auf das Bild Deutschlands im Ausland. Gauck werde ein Bundespräsident sein, "der mit seiner Freiheitsvita das Ansehen Deutschlands auch international mehren wird", sagte Westerwelle dem "Tagesspiegel" . Bayerns Ministerpräsident, der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, sagte der "Bild am Sonntag": "Ich wünsche mir einen Bundespräsidenten, der pointiert Position bezieht und gesellschaftliche Diskussionen auslöst. Das kann nicht schädlich sein für unser Land."