Höhere Wohnqualität

Regierung will Lärmschutzwände bauen

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Verkehrsminister Peter Ramsauer will die Belastung für Anwohner von Autobahnen verringern - und dafür 1,5 Milliarden Euro ausgeben.

Berlin. Die Bundesregierung plant, die Lärmbelastung für Anwohner von Autobahnen und Bundesstraßen zu senken. "Wir werden zusätzliche Lärmschutzwände und Lärmschutzfenster einbauen", kündigte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an. "Das haben wir im Bundeshaushalt verankert. Jetzt beginnt die Umsetzung." Im laufenden Jahr würden 50 Millionen Euro dafür eingesetzt, der Bedarf im gesamten Bundesgebiet liege bei 1,5 Milliarden Euro.

"Dieser finanzielle Kraftakt lohnt sich, weil wir damit die Nerven der Anwohner schonen und einen überaus wichtigen Beitrag für ihre Gesundheit und eine höhere Wohnqualität leisten", sagte Ramsauer dem Hamburger Abendblatt. "Verkehrslärm kann krankmachen."

Konkret hat die Regierung die sogenannten Auslösewerte für Lärmschutz an bestehenden Bundesstraßen und Autobahnen um drei Dezibel gesenkt. "Das heißt, die Anwohner können bereits bei geringerer Belastung vor Lärm geschützt werden", erläuterte der Verkehrsminister. "In der Nacht werden wir zum Beispiel schon ab 57 statt erst ab 60 Dezibel handeln. Das entspricht akustisch der Halbierung des vorbeifahrenden Verkehrs." (Siehe auch Lärmskala.)

Anders als beim Neu- oder Ausbau von Verkehrswegen sind Lärmschutzmaßnahmen an bestehenden Bundesstraßen und Autobahnen gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Für besonders belastete Strecken wie die Bundesstraße 430 in Schleswig-Holstein hat die Sanierungsplanung bereits begonnen. In Neumünster sind nach Angaben des Ministeriums 212 Wohnungen nachts von Lärmpegeln über 60 Dezibel betroffen. Dank der Senkung des Grenzwerts auf 57 Dezibel kommen sogar 620 Wohnungen für Lärmschutzmaßnahmen in Betracht. Für Hamburg ist bisher keine Sanierung vorgesehen. Der Senat hat nach Auskunft des Verkehrsministeriums allerdings die Möglichkeit, Lärmschutzvorkehrungen zu beantragen, sollten entsprechende Messergebnisse vorliegen.

Beim Ausbau der Autobahn 7 im Hamburger Stadtgebiet werde auf Lärmvorsorge besonderen Wert gelegt, teilte ein Sprecher Ramsauers mit. Für den Abschnitt Stellingen seien in einem ersten Planungsentwurf 1168 Gebäude für Schutzmaßnahmen ermittelt worden. Bei neuen Autobahnen und Bundesstraßen liegen die Grenzen niedriger als bei bestehenden. Für ein allgemeines Wohngebiet beträgt der Auslösewert nachts 49 Dezibel.

Gemessen an den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Herbst 2009 ist auch dieser Grenzwert noch hoch. Wer beim Schlafen langfristig einer größeren Lärmbelastung als 40 Dezibel ausgesetzt ist, kann demnach leichte gesundheitliche Folgen wie Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit erleben. Eine Lärmbelastung von mehr als 55 Dezibel kann eine Ursache für Bluthochdruck und Herzinfarkte sein. Das WHO-Regionalbüro in Europa wertet Lärmbelastung als umweltbedingte Gesundheitsgefahr "wie Luftverschmutzung und toxische Chemikalien".

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