Der Fall Mixa

Reformator für Rom gesucht

Die katholische Kirche trägt den Beinamen römisch nicht ohne Grund. Sie stammt nicht nur aus der Zeit der Cäsaren, sie hat auch deren Amtsbezeichnungen und Verwaltungsstrukturen bis in unsere Tage konserviert. Und damit auch Einfluss, Geld und Macht.

Wo Geld und Macht zu Hause sind, ist aber auch deren Missbrauch nicht weit. Das ist menschlich, und auch Priester, für die Liebe, Barmherzigkeit und Ehrlichkeit oberste Gebote sind, sind Menschen. Im Vergleich zu den großen Skandalen und Fehlentwicklungen früherer Jahrhunderte mögen die Verfehlungen eines Bischof Mixa wie lässliche Sünden erscheinen. Ihre Auswirkung auf die heutigen Gläubigen ist aber ähnlich dramatisch wie die jener Missstände, die früher zu Kirchenspaltungen oder Reformationen geführt haben: Sie wenden sich ab, weil Priester, die Wasser predigen und Wein trinken, die Vorwürfe erst kategorisch bestreiten und dann scheibchenweise einräumen, unglaubwürdig sind.

Seine Teilnahme am Begräbnis der in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten hatte Militärbischof Mixa bereits abgesagt. Wohl wissend, dass sein Auftritt dort ihm und seiner Kirche weitere Probleme bereitet hätte. Der Rat seiner Amtsbrüder, eine Auszeit zu nehmen, war in Wahrheit die Aufforderung zum Amtsverzicht, der Mixa nun mit seinem Rücktrittsgesuch gefolgt ist. Des Amtes entheben kann ihn letztlich nur der Papst. Er allein hat alle Macht im zentralistisch organisierten Apparat katholische Kirche. Auch das ein Erbe der Geschichte.

Nach der katastrophalen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson ist der Fall Mixa schon der zweite Hinweis darauf, dass Benedikt der XVI. entweder von schlechten Beratern umgeben ist oder den Sorgen und Nöten seiner Gläubigen an der Basis recht fern steht. Oder beides. Für Rom ist es jedenfalls wieder an der Zeit, ernsthaft über Reformen nachzudenken - oder die Erosion setzt sich fort.