Sexueller Missbrauch in Kirchen

EKD-Ratsvorsitzender wirbt für verheiratete Pfarrer

Foto: Roland Magunia

Präses Schneider verweist im Exklusiv-Interview mit dem Abendblatt auf offenen Umgang der Evangelischen Kirche mit sexuellem Missbrauch.

Hamburg. In der Diskussion um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen hat der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Präses Nikolaus Schneider, die Praxis der Evangelischen Kirche, verheiratete Pfarrer und Pfarrerinnen zuzulassen, als vorbildlich beschrieben. „Verheiratete Pastorinnen und Pastoren tun unseren Gemeinden gut. Eine Pastorenfamilie tut dem gesamten Gemeindeleben gut“, sagte Schneider dem Hamburger Abendblatt. Der Präses betonte: „Frauen im Pastorenamt tun der Kirche an sich gut.“ Er wolle aber nicht verhehlen, dass die Abgrenzung zwischen Familienleben und Gemeindearbeit mitunter auch Probleme mit sich bringe, so Schneider.



EKD-Ratsvorsitzender wirbt für verheiratete Pfarrer und Pfarrerinnen -die Interviewpassagen im Wortlaut

Auf die Frage, warum aus der Evangelischen Kirche im Vergleich zur Katholischen Kirche so wenig über Missbrauch zu hören sei, verwies Schneider auf den unterschiedlichen Umgang beider Kirchen mit Sexualität. „Auch die Frage, wie wir über Sexualität reden und mit Sexualität umgehen, spielt da eine Rolle“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seine Landeskirche habe 2003 ein geregeltes Verfahren für den Umgang mit Missbrauchsfällen eingeführt. „Vielleicht ist für die Menschen daran erkennbar, dass wir offener damit umgehen“, sagte Schneider.