Katholische Kirche kündigt Konsequenzen an

Zollitsch bittet um Entschuldigung

Deutsches Katholikenoberhaupt verspricht eine gemeinsame Erklärung der Bischöfe zum Abschluss der Frühjahrstagung.

Hamburg/Freiburg. Im Skandal um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in die Offensive gegangen. Der Freiburger Erzbischof bat die Opfer der Übergriffe um Entschuldigung und kündigte Konsequenzen an. "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen", sagte er gestern bei der Eröffnung der Bischofskonferenz in Freiburg. "Im Raum der Kirche wiegt der Missbrauch besonders schwer, weil es ein besonderes Vertrauen von Kindern und Jugendlichen in den Priester gibt."

Er sei über die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Fälle "zutiefst erschüttert", sagte Zollitsch und sprach von einer schweren Sünde der Täter. Die Bischöfe drängten darauf, dass sowohl die zum Teil lange zurückliegenden als auch alle neuen Fälle sexuellen Missbrauchs aufgeklärt werden. Staatliche Behörden sollten so schnell wie möglich eingeschaltet werden; Staatsanwaltschaften sollten alle möglichen Einblicke bekommen.

Zollitsch sagte weiter, die Bischöfe wollten den Skandal vor den Papst bringen. Er werde mit Papst Benedikt XVI. persönlich bei einer für März geplanten Reise über die Vorgänge sprechen. Es war das erste Mal, dass sich Zollitsch in den vergangenen drei Wochen zu dem Skandal geäußert hat. Auch der deutsche Papst hat bislang nicht direkt zu der Situation in Deutschland Stellung genommen. Mindestens 120 Opfer an Schulen des Jesuitenordens und anderen katholischen Schulen in Deutschland sollen seit den Fünfzigerjahren missbraucht worden sein. Die Berliner Juristin Ursula Raue, vom Jesuiten-Orden mit der Aufklärung der Vorgänge betraut, sprach von einer "Dimension, die bisher nicht zu erahnen war". Die sexuellen Übergriffe seien nicht nur vereinzelt, sondern systematisch begangen worden. Zollitsch begrüßte gestern die Aufklärung bei den Jesuiten zu den Missbrauchsfällen. "Wir müssen den Mut aufbringen, Unrecht sofort beim Namen zu nennen, da, wo es passiert", sagte er.

Das deutsche Katholikenoberhaupt kündigte zudem eine Verbesserung der seit 2002 geltenden kirchlichen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Geistliche an. Diese hätten sich zwar bewährt, müssten aber überprüft und möglicherweise geändert werden. So wolle die Kirche auch jetzt schon bei Verdachtsfällen die Staatsanwaltschaft informieren.

Auch solle verstärkt auf Prävention gesetzt werden, sagte der DBK-Vorsitzende. Priester, pastorale und pädagogische Mitarbeiter müssten künftig "menschlich und auch in sexueller Hinsicht über die Eignung und nötige Reife für ihr Amt" verfügen. "Außerdem wollen wir uns darüber unterhalten, wie wir in dieser schwierigen Lage den katholischen Schulen zur Wahrung des Ansehens verhelfen können." Er gehe davon aus, dass die Bischofskonferenz zum Abschluss der Vollversammlung am Donnerstag eine Erklärung zum Thema Missbrauch abgeben werde.

Im Gegensatz zum Hamburger Erzbischof Werner Thissen sieht Zollitsch in dem Missbrauchsskandal kein "Strukturproblem" der Kirche. Missbrauch komme in Familien wesentlich häufiger vor, insoweit hätten die nun bekannt gewordenen Fälle auch nichts mit dem Zölibat zu tun, sagte Zollitsch. Dagegen sagte der Sprecher der Laienbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, im Deutschlandfunk: "Wir in der katholischen Kirche sind viel zu sehr mit Tabus behaftet." Das verhindere, dass sich junge Menschen in der Ausbildung zum Priester ihrer eigenen Sexualität bewusst werden.