Auslandseinsatz

US-General fordert neue Strategie für die Bundeswehr in Kundus

Berlin. Der amerikanische Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hat die Bundeswehr zu höherer Risikobereitschaft in Afghanistan aufgefordert. Darüber hinaus verlangte der Vier-Sterne-General von den Isaf-Mitgliedern eine Aufstockung der Truppen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte in Berlin, bei der Ausbildung afghanischer Soldaten und Aufgaben der Sicherheit werde es keine strenge Trennung mehr geben. Dies könne "ab und an ein höheres Risiko mit sich bringen".

McChrystal sagte der "Bild"-Zeitung, er werde alle Mitglieder der Isaf-Schutztruppe auffordern, "weitere Ausbilder zu stellen, um die afghanischen Sicherheitskräfte zu trainieren". Im Hinblick auf die Afghanistan-Konferenz in London am 28. Januar sollten sich alle Länder überlegen, "was sie leisten können, um genug Soldaten für die Ausbildung der Afghanen bereitzustellen".

Er unterstrich die strategische Bedeutung von Nordafghanistan und forderte die Deutschen auf, mehr Risiken einzugehen. Die Taliban hätten die dortigen Zustände gezielt genutzt, "um sich auszubreiten. Sie wollen den Eindruck vermitteln, dass ihre Bewegung im ganzen Land aktiv sein kann." Wie alle Truppen in ganz Afghanistan müssten auch die deutschen Truppen mit den höheren Risiken seiner neuen Strategie leben. "Vielleicht müssen sie sogar die Art und Weise ändern, wie sie bisher vorgegangen sind."

Er bekräftigte, dass er plane, amerikanische Truppen in den Norden des Landes zu schicken. Die US-Soldaten sollten aber dem dortigen deutschen Regionalkommandeur unterstellt werden.

Guttenberg sah McChrystals Äußerungen positiv. "Er hat die Realitäten benannt", sagte der CSU-Politiker. Die deutschen Soldaten seien täglich großen Risiken ausgesetzt.

Derweil sprach sich SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier dafür aus, den Bundeswehr-Einsatz zwischen den Jahren 2013 und 2015 zu beenden. "Wir müssen jetzt die einigermaßen beruhigten Distrikte vollständig an Afghanen übergeben", sagte der ehemalige Außenminister der "Zeit". Zu Guttenberg sagte dagegen: "Ich halte nichts von einem Enddatum." Dies würde nur in die Hände jener spielen, die in Afghanistan wieder das Licht ausknipsen wollten.

Auch Außenminister Guido Westerwelle erteilte Forderungen nach einem schnellen Abzug der Bundeswehr eine Absage. "Wer jetzt kopflos aus Afghanistan abziehen würde, der lässt Millionen Menschen im Stich", sagte er.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte, dass sich die SPD einer möglichen Truppenerhöhung nicht verschließen wolle. Eine Zahl wollte er nicht nennen. Die immer wieder genannte Größenordnung von 2500 zusätzlichen Soldaten werde es aber wohl nicht geben. Damit deutet sich erstmals an, wie die zukünftige deutsche Afghanistan-Strategie aussehen könnte: etwas mehr Soldaten und eine konkrete Abzugs-Strategie.

Die USA wollen in Kürze die Truppen um 30000 Soldaten erhöhen, um die Taliban vor dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan entscheidend zu schwächen. Auch von den Partnern werden mehr Soldaten erwartet.