Kommentar: Deutsch im Grundgesetz

Ein kosten- und folgenloses Signal

Die deutsche Sprache ist das Band, das unsere Kultur und auch den Staat zusammenhält. Ihrer bedienen sich Dichter wie Herta Müller oder Günter Grass, die für ihre Werke den Literaturnobelpreis bekommen haben.

Sie existiert nicht ungeschützt in dieser Welt. Schon jetzt ist im Gerichtsverfassungsgesetz festgeschrieben: "Die Gerichtssprache ist Deutsch." Im Verwaltungsverfahrensgesetz steht: "Die Amtssprache ist Deutsch." Und nach dem Willen der künftigen Koalitionäre soll es bald im Grundgesetz heißen: "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch."

Das sieht das nach reichlich viel Rückversicherung aus. Und nach einem Signal der Union an jene Wählerkreise, die sich von Überfremdung bedroht sehen. Eines, das nichts kostet - so wie die Verankerung der Kultur als Staatsziel in der Verfassung, die ein Herzensanliegen der Liberalen war -, das auch niemandem wehttut und aus dem sich keinerlei rechtsverbindliche Forderungen ableiten lassen.

Die deutsche Sprache hat sich über jahrhundertelange Zeit ganz ohne Nationalstaat und Verfassung entwickelt. Sie wird auch den Eintrag in die selbige sowie alle anderen Kompensationsgeschhäfte der Koalitionsverhandlungen überstehen.