In der Kritik

Sarrazin sollte Interview nicht geben

Bundesbankpräsident Axel Weber hat vergeblich versucht, Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin von der Veröffentlichung seiner umstrittenen Interviewäußerungen abzubringen.

Berlin. Wie das "Handelsblatt" berichtete, war Weber vor Erscheinen des Interviews von seiner Presseabteilung auf die Passagen aufmerksam gemacht worden, die später vielfach als ausländerfeindlich kritisiert wurden. Dem Bundesbankpräsidenten sei es aber nicht gelungen, Sarrazin von seinem Vorhaben abzubringen. Mittlerweile herrsche Funkstille zwischen Weber und ihm.

Sarrazin steht seit dem Interview in der Zeitschrift "Lettre International" in der Kritik. Für Empörung sorgten vor allem zwei Sätze: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate." Und: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert."

Weber hat Sarrazin deshalb den Rückzug aus der Spitze des Instituts nahegelegt. Der Bundesbankpräsident kann Sarrazin jedoch nicht einfach entlassen. Die Vorstandsmitglieder werden vom Bundespräsidenten ernannt, der sie auch entlassen müsste. Vorzeitig können sie nur abberufen werden, wenn sie die Voraussetzungen zur Ausübung ihrer Tätigkeit nicht mehr erfüllen. Das wäre bei schwerer Krankheit der Fall oder bei einer schweren Verfehlung. Was als letztere gilt, ist nicht klar definiert.