Kuriose Verhältnisse

Piratenpartei auf der Veddel stärker als die CDU

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Die Internet-Aktivisten hatten eine Hochburg im Hamburger Süden. Bundesweit kamen die Piraten auf zwei, in Berlin auf 3,4 Prozent.

Hamburg/Berlin. Freihafen, Freibeuter, Freidenker: Die Hafennähe und das eigentümliche Flair des Hamburger Südens mag den Ausschlag gegeben haben, dass auf der Veddel die Piratenpartei (10,6 Prozent) bei der Bundestagswahl mehr Stimmen holte als die CDU (10,2 Prozent). Das verblüffte selbst die Experten des Statistikamtes Nord, die diese Zahlen am Montag veröffentlichten.

Bundesweit liegt die Piratenpartei bei 2 Prozent. Parteichef Jens Seipenbusch frohlockte darüber, dass nach der Europawahl im Juni (bundesweit 0,8 Prozent) und drei Jahre nach der Gründung in Deutschland die Piraten ihr bisher bestes Ergebnis einfuhren. So mancher „Pirat“ hatte sogar auf den Sprung in den Bundestag gehofft. Doch das waren Blütenträume. Keine andere Splitterpartei allerdings bekam in den vergangenen Wochen so viel Aufmerksamkeit wie die basisdemokratische Piratenpartei. Das resultiert daraus, dass die Piraten sich als erste Partei gezielt an die junge, als weitgehend unpolitisch geltende Internet-Gemeinde wendet. Sie führt außerdem konsequent an den traditionellen Medien vorbei einen Wahlkampf im Netz.

Die Piraten treten unter anderem für den freien Zugang zu Wissen und Kultur und für eine Reform des Urheberrechts ein. Vor allem sind sie gegen jede Form einer „Zensur“ im Internet. Die geplante Sperrung kinderpornografischer Internet-Seiten bescherte den Piraten Zulauf. Mittlerweile sind es mehr als 9000 Mitglieder. Parteichef Seipenbusch verweist darauf, dass die Piraten zahlreiche männliche Erstwähler für sich gewannen und in einigen Städten mit respektablen Ergebnissen punkten konnten: in Berlin mit 3,4 Prozent der Zweitstimmen.

„Zwei Prozent sind nicht das Ende der Fahnenstange“, sagte Parteichef Seipenbusch. Jetzt können die Piraten mit einem sechsstelligen Betrag aus der staatlichen Parteienfinanzierung rechnen. Das Geld soll laut Seipenbusch dazu verwendet werden, um die politische Arbeit zu professionalisieren. Schließlich haben auch die Grünen mal klein angefangen: Sie erreichten bei ihrer ersten Bundestagswahl 1980 mit 1,5 Prozent ein schlechteres Ergebnis als nun die Piraten.

( (ryb/dpa) )

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