Bundestagswahl: Planspiele um neues Kabinett

So könnte Schwarz-Gelb nach der Wahl aussehen

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Florian Kain

Den jüngsten Umfragen zufolge reicht es bei der Bundestagswahl am 27. September für eine Mehrheit von Union und FDP. Wer sitzt dann im Kabinett?

Berlin. Auch wenn die Parteivorsitzenden im Vofeld jede öffentliche Personaldiskussion ablehnen: Hinter den Kulissen wird bereits intensiv beraten, wer Minister werden könnte in einer schwarz-gelben Bundesregierung. Zuletzt gab es immer wieder Streit zwischen Union und FDP. Gleichwohl werden die bürgerlichen Parteien miteinander regieren, wenn der Wähler ihnen den Auftrag erteilt.

Das Hamburger Abendblatt stellt dar, welche Namen derzeit für welche Posten im Gespräch sind. Demnach könnte neben der gebürtigen Hamburgerin Angela Merkel noch ein zweiter Politiker aus der Hansestadt in Berlin mit am Kabinettstisch sitzen: Bürgermeister Ole von Beust (CDU), in der Union seit Jahren für Umweltpolitik zuständig, wird hartnäckig als Nachfolger von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gehandelt.

Bundeskanzlerin: Einer neuen Emnid-Umfrage zufolge glauben 83 Prozent der Bundesbürger, dass Angela Merkel (CDU) weitere vier Jahre im Amt bleibt. In der Tat: Wenn es reicht für Schwarz-Gelb, ist sie als Bundeskanzlerin gesetzt.

Landwirtschaft: Amtsinhaberin Ilse Aigner (CSU) , eigentlich Bildungsexpertin, hat sich inzwischen mit dem Job arrangiert. Und sie ist CSU-Chef Horst Seehofer treu ergeben. Er wird sie wohl nicht austauschen, heißt es mittlerweile.

Gesundheit: Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) lässt hin und wieder durchblicken, dass sie die Nachfolge von Ulla Schmidt (SPD) antreten will. Denn ihr Einfluss wäre dann noch größer. Und als Ärztin ist sie vom Fach.

Verteidigung: Der Hesse Franz-Josef Jung (CDU ) hat sich nach schwachem Start eingearbeitet. Damit steigen seine Aussichten, im Kabinett zu bleiben. Es sei denn, Hessens Ministerpräsident Koch will den Posten mit ihm tauschen.

Äußeres: Der kleinere Koalitionspartner hat traditionell Anspruch auf das Außenministerium und den Posten des Vizekanzlers. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat seine außenpolitischen Ambitionen bereits mehrfach erkennen lassen.

Wirtschaft: Wenn das Finanzressort an die Union geht, führt in Sachen Wirtschaft kein Weg an der FDP vorbei. Dann könnte die Stunde des Vizechefs Rainer Brüderle schlagen, der die nötige parteiinterne Hausmacht hat und vom Fach ist.

Inneres: Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) will ins Innenressort wechseln. Für den Geheimdienstkoordinator wäre es wie maßgeschneidert. Ob Merkel ihrem Vertrauten diese Möglichkeit eröffnet, ist noch nicht ganz sicher.

Forschung: Die Amtsinhaberin Annette Schavan (CDU) wurde schon als Auslaufmodell bezeichnet - und galt als mögliche Kandidatin für den Vorsitz der Adenauer-Stiftung. Aber sie will bleiben. Und hat ein gutes Verhältnis zu Merkel.

Entwicklung: Falls die FDP bei einem überragenden Ergebnis vier Kabinettsposten bekommt, werden der verteidigungspolitischen Sprecherin Birgit Homburger Chancen zugeschrieben. Sie ist intern anerkannt und gilt als Allrounderin.

Umwelt: Die anhaltenden Gerüchte, er wolle nach der Wahl nach Berlin wechseln, dementiert Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nicht so entschieden, wie er es könnte. Von Merkel gefragt wurde er aber offenbar noch nicht.

Verkehr: Wenn die CSU drei Ministerposten erhält, gilt er im Grunde als gesetzt: Landesgruppenchef Peter Ramsauer interessiert sich zwar vor allem für Außenpolitik, müsste sich aber wohl eher in Verkehr und Bau einarbeiten.

Kanzleramt: Norbert Röttgen (CDU), aktuell parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, genießt Merkels Vertrauen und war bereits 2005 für den Job als Kanzleramtsminister im Gespräch. Der könnte bald frei werden.

Arbeit: Merkels treuer CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla soll mit einem Kabinettsposten belohnt werden. Arbeit und Soziales ist sein Fachgebiet. Als eher Parteilinker könnte er auch mit den Gewerkschaften zurechtkommen.

Justiz: Die FDP wird Anspruch auf ein Verfassungsressort erheben. Vizefraktionschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war bis 1996 Justizministerin und steht als Vorkämpferin für Bürgerrechte vor einem Comeback.

Familie: Vize-Fraktionschefin Katherina Reiche (CDU) wird von Merkel geschätzt und war schon 2002 im Wahlkampf-Team von Edmund Stoiber für Familie zuständig. Sie ist verheiratet und hat inzwischen drei Kinder.

Finanzen: Die Union will das Schlüsselressort Finanzen mit einem eigenen, starken Mann besetzen. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), ebenso ehrgeizig wie kompetent, könnte das Rennen machen.

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