Ex-Terrorist: Wir wollten Helmut Schmidt entführen

Wie ernst ist die Aussage des früheren RAF-Terroristen Boock zu nehmen, dass der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt entführt werden sollte? Ein ehemaliger hoher Beamter einer deutschen Sicherheitsbehörde, der damals im Kampf gegen den RAF-Terror eingesetzt war, sagte dazu dem Abendblatt:

"Dass der Kanzler vor 30 Jahren auf der Zielliste der RAF stand, war allgemein bekannt. Und dass es von den Schmidt-Beschützern zugelassen worden wäre, dass Terroristen sein Haus von gegenüber hätten ausspähen können, heißt, uns und die aufmerksamen Schmidt-Nachbarn für dumm zu verkaufen. An den Kanzler wären die Terroristen nicht herangekommen - und sie wussten es!"

Auch die Behauptung, Helmut Schmidt habe von den RAF-Plänen bislang nichts gewusst, erscheint Insidern als unverständlich.

Tatsächlich berichtete "Bild" im Januar 1978, "vor allem Bundeskanzler Schmidt ist in Lebensgefahr". Auf der Todesliste der RAF seien auch Staatsminister Wischnewski, Regierungssprecher Bölling, Generalbundesanwalt Rebmann und Justizminister Vogel aufgeführt.

Der "Spiegel" zitierte im Juli 1980 einen führenden Verfassungsschützer, der für den Kanzler "eine sehr ernste Gefahr für die nächste Zukunft" sah. "Auch wenn es makaber klingt, es ist die letzte Chance dieser Leute", sagte er.

Das Hamburger Abendblatt berichtete im Januar 1985, dass Helmut Schmidt seine vorgesehene Teilnahme an einer internationalen Konferenz in Barcelona plötzlich abgesagt hätte, stattdessen sei er in der Villa von Freunden auf der spanischen Insel Gran Canaria geblieben. Fachleute wiesen damals darauf hin, dass die Villa der Pianisten Justus Frantz und Christoph Eschenbach wegen ihrer besonderen Lage sehr gut zu überwachen sei: "Kein Fremder kommt da unbeobachtet heran."