Hamm-Brücher: Warum ich aus der FDP austrete

München. Die Alt-Liberale Hildegard Hamm-Brücher ist gestern wegen der Möllemann-Affäre aus der FDP ausgetreten. Die 81-Jährige, die 1948 der FDP beigetreten war und lange dem Bundestag angehörte - von 1977 bis 1982 war sie Staatsministerin im Auswärtigen Amt - begründete ihren Schritt in einem Brief an Parteichef Westerwelle. Auszüge: "Nach mehrmonatiger Bedenkzeit erkläre ich heute, am 22. September, meinen Austritt aus der FDP. Diese Entscheidung habe ich bewusst vor dem Wahlausgang und ihren Ergebnissen sowie unabhängig von der politischen Zukunft ihres Stellvertreters (Möllemann) getroffen. Meine Entscheidung, die mir sehr schwer gefallen ist, basiert auf der Einsicht, dass ich meine . . . Grundwerte in der heutigen FDP nicht mehr ausreichend gewährleistet sehe. Aus dieser Entwicklung und insbesondere durch die andauernde rechtspopulistische, antiisraelische und tendenziell Antisemitismus schürende Agitation des stellvertretenden Parteivorsitzenden(Möllemann) ist eine wechselseitige Entfremdung zwischen der Partei und mir entstanden, die für mich unerträglich geworden ist. Nach 54-jähriger Parteizugehörigkeit vermag ich in einer zur rechten Volkspartei gestylten FDP keine Spuren eines Theodor Heuss, eines Thomas Dehlers und Karl-Herrmann Flachs, eines Ignaz Bubis und vieler anderer aufrechter Liberaler mehr zu entdecken. Damit habe ich meine politische Heimat verloren."