Künstliche Intelligenz statt Psycho-Pillen

Pflegeroboter hilft Demenzkranken

An der Fachhochschule Frankfurt wird ein Roboter für die Therapie bei Demenzkranken erprobt. Er reagiert mit Hilfe eingebauter Sensoren auf Reize.

Frankfurt am Main. Sie ist 60 Zentimeter lang, hat kuschelig weißes Fell und schaut mit kugelrunden schwarzen Augen in die Welt. Paro lässt sich streicheln und schmiegt sich gerne an. Paro ist eine kleine Robbe, aber das Kuscheltier ist kein echtes Lebewesen, sondern ein Roboter. Sie ist als "therapeutische Robbe" für den Einsatz bei demenzkranken Menschen vorgesehen.

Paro wurde in Japan entwickelt. Nun sollen die Einsatzmöglichkeiten der Robbe auch in Deutschland erforscht werden. Nachdem einige Altenheime den Kuschelroboter zur Therapie demenzkranker Personen eingesetzt haben, will ihn die Fachhochschule Frankfurt am Main in Forschung und Lehre erproben. "Beeindruckende Lernerfolge" bei Menschen dank der Robbe habe sie in Japan beobachten können, sagte Barbara Klein, Professorin im Fachbereich Pflege und Gesundheit der FH Frankfurt. Ziel sei vor allem, mit Hilfe von Paro Unruhe und Aggressionen bei demenzkranken Menschen zu verringern.

Kuscheltiere und echte Tiere sind bereits in vielen Pflegeheimen im Einsatz. "Nicht medikamentöse Therapieoptionen" nennen Wissenschaftler den Einsatz solcher Helfer. Vor allem für demenzkranke Menschen, die auf der Ebene des Verstands nicht mehr oder kaum noch zu erreichen sind, könnten diese Therapien deutlich mehr Lebensqualität bringen, sagt Doris Bredthauer, Gerontopsychiaterin an der Fachhochschule Frankfurt. Eine solche Therapie ist auch das in den Niederlanden entwickelte "Snoezelen". Dabei würden Demenzkranke in individuell angepasster Dosis und Dauer mit Musik oder Lichteffekten angeregt oder beruhigt, sagt Ruth Schwerdt, die an der Frankfurter Fachhochschule Pflegewissenschaft unterrichtet.

Diese Therapie solle vor allem bei schwerer Demenz eingesetzt werden, wenn die verbale Kommunikation nicht mehr möglich sei. Für das "Snoezelen" und die Tiertherapie gelte, dass der biografische Hintergrund der Betroffenen beachtet werden müsse. "Die Kontinuität der Lebensthemen ist entscheidend", sagt sie. So reagiere ein Mensch, der mit Haustieren aufgewachsen sei, anders als jemand aus bäuerlicher Herkunft, der Tiere nur als Nutztiere kennengelernt habe. Der Kuschelroboter solle die menschliche Betreuung nicht ersetzen, könne aber die Vorteile einer Tiertherapie auch für diejenigen nutzbar machen, die etwa auf Tierhaare allergisch reagierten, erläutert Bredthauer. Auf keinen Fall solle Paro ohne Begleitung einer Betreuungsperson eingesetzt werden, sagt Professorin Klein.

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