Verkehrsgerichtstag: Keine Gesundheitschecks für Rentner

Radar-Streckenkontrollen gegen Raser

Radfahrer und Senioren am Steuer können aufatmen, aber für Raser brechen schlechte Zeiten an: Der Verkehrsgerichtstag in Goslar hat sich am Freitag...

Goslar. Radfahrer und Senioren am Steuer können aufatmen, aber für Raser brechen schlechte Zeiten an: Der Verkehrsgerichtstag in Goslar hat sich am Freitag dafür ausgesprochen, in Deutschland "section control" zu erproben. Dabei werden alle Autos bei Ein- und Ausfahrt in einem mehrere Kilometer langen Straßenabschnitt erfasst und die Durchschnittsgeschwindigkeit wird berechnet. Dafür soll nach dem Willen der Experten des Verkehrsgerichtstages sogar die Gesetzeslage geändert werden, weil gegenwärtig solch eine Vorratsdatenspeicherung ohne konkreten Verdacht verboten ist. Begründung für das geforderte Modellprojekt sind die guten Erfahrungen in Österreich und den Niederlanden. Anders als Radarfallen bremst "section control" die Autofahrer dauerhaft an Unfallschwerpunkten ab.

Erwartungsgemäß und unter dem Beifall der Autoklubs wurde dagegen ein Vorstoß abgeschmettert, Senioren zum regelmäßigen Gesundheitscheck zu zwingen. Immerhin soll geprüft werden, ob Senioren bei Beeinträchtigungen Auflagen gemacht werden könnten wie das Fahren nur bei Tageslicht, in ihrem engen Umfeld und unter Ausschluss von Autobahnen.

70 Millionen Deutsche fahren Fahrrad und es werden immer mehr. Ob sich Radfahrer häufig im rechtsfreien Raum glauben, lautete die Fragestellung des Verkehrsgerichtstages aber die Antwort war überraschend ein eindeutiges Plädoyer, das Fahrrad auch mit Blick auf die Umwelt endlich als "vollwertiges und gleichberechtigtes Verkehrsmittel" anzuerkennen. Konkret soll der Staat mehr Geld lockermachen für Radwege und Fahrradparkhäuser, die Ampelschaltungen sollen für Zweiräder optimiert werden. Eine zwangsweise Haftpflicht oder Helmpflicht wird abgelehnt. Fahrradfahrer, so der Arbeitskreis, sind weit häufiger Opfer als Unfallverursacher im Straßenverkehr.

Geht es nach dem Verkehrsgerichtstag, dann gibt es für Betroffene bald bessere Informationen in der Flensburger Verkehrssünderdatei bei einem gefährlich hohen Punktestand.