Operation Rosenholz: Jetzt müssen Tausende Stasi-Spitzel zittern

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Berlin. Nach der Rückgabe einer Agentenkartei des früheren DDR-Geheimdienstes durch die CIA droht Zehntausenden Bundesbürgern angeblich eine Enttarnung als frühere Stasi-Mitarbeiter. Einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge umfasst das unter der Bezeichnung "Rosenholz" bekannt gewordene Material die Namen von rund 50 000 Deutschen, die seit den 50er- Jahren für die mit der Auslandsspionage befasste Stasi-Hauptverwaltung A (HVA) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit tätig waren. Beim überwiegenden Teil davon - etwa 40 000 Männern und Frauen - handele es sich um ehemalige DDR-Bürger. Sie seien meist als Instrukteure und Kuriere in Spionageoperationen gegen den Westen eingebunden gewesen und bis heute weitgehend unenttarnt geblieben. In der für die Stasi-Akten zuständigen Birthler-Behörde würden die von der CIA auf CD-Rom gespeicherten "Rosenholz"-Unterlagen derzeit technisch aufbereitet. Die Experten schlössen nicht aus, dass einige der inoffiziellen HVA-Mitarbeiter während der Wendezeit in der DDR in politische Ämter gelangt seien und unenttarnt noch heute in Parlamenten säßen. Auch die Möglichkeit, dass in der Stasi-Unterlagenbehörde noch unentdeckte IM der HVA arbeiteten, sei denkbar. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, kündigte an, dass die "Rosenholz"-Unterlagen bald auch für die Überprüfung von Parlamentariern sowie von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst genutzt werden sollen. Die "Rosenholz"-Dateien haben ihren Namen von einer gleichnamigen CIA-Operation im Frühjahr 1990. Damals erbeuteten US-Agenten unter ungeklärten Umständen die brisanten Stasi-Daten und schafften sie nach Washington. Dabei handelt es sich um zwei Karteien mit den Namen F 16 und F 22 sowie Statistikbögen. Die F-16-Kartei ist die Klarnamendatei der Stasi-Hauptverwaltung. Auf den etwa 320 000 Karteikarten sollen 200 000 Namen stehen. Drei Viertel davon sind jedoch unbelastet und wurden nur registriert, weil sie zum Umfeld des jeweiligen Westagenten gehörten. Unter dem Rest sind aber auch informelle Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit. Die F-22-Kartei sammelte Agentenvorgänge und kann beim Abgleich mit der F-16-Kartei Aufschluss geben, wer als Spion arbeitete. In den Statistikbögen sind Details wie etwa Geburtsjahr oder Arbeitsplatz zu den IM gesammelt. Auf mehr als 380 CD-Roms sind die Daten von den US-Behörden kopiert worden.