CDU-Fraktion

Michael Grosse-Brömer: Aus Buchholz an die Seite von Merkel

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Der Niedersachse Michael Grosse-Brömer wird parlamentarischer Geschäftsführer der Union - und damit wichtiger Manager der Kanzlerin.

Berlin/Hamburg. Als Horst Köhler im Jahr 2004 zum deutschen Bundespräsidenten gewählt werden sollte, dachte sich die "Bild"-Zeitung eine in den folgenden Tagen viel zitierte Schlagzeile aus: "Horst ... wer?" - so prangte es in großen Lettern auf der Titelseite, weil diesen Horst Köhler bis dato eigentlich noch niemand so richtig kannte und er jetzt so ein wichtiges Amt bekleiden sollte.

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Ganz ähnlich müsste das jetzt auch im Fall von Michael Grosse-Brömer geschehen. Der Niedersachse ist auf der bundespolitischen Bühne im Grunde ein Unbekannter - heute soll der CDU-Abgeordnete jedoch zum Ersten parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag gewählt und damit zu einem der wichtigsten Manager von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden, wenn es um das Moderieren und das Organisieren von Mehrheiten im Parlament geht. Er beerbt damit überraschend Peter Altmaier (CDU), den fleißigen und loyalen Merkel-Vertrauten, der heute offiziell als Nachfolger von Norbert Röttgen zum neuen Bundesumweltminister ernannt wird. Grosse-Brömer steigt mit seinem neuen Amt zu einem der wichtigsten Köpfe in der CDU auf. Die Frage lautet also jetzt: Michael ... wer?

Der 51-Jährige ist Rechtsanwalt und bereits seit 2010 als Justiziar der CDU/CSU-Fraktion tätig, vorher war er ihr rechtspolitischer Sprecher. Dem Bundestag gehört Grosse-Brömer seit 2002 an und gewann seinen Wahlkreis Landkreis Harburg bei der Bundestagswahl 2009 mit deutlichem Vorsprung. Seit drei Jahren ist er Vorsitzender der niedersächsischen Landesgruppe der Unions-Fraktion.

Politiker war jedoch nicht von Anfang an der Berufswunsch des gebürtigen Oberhauseners - um ein Haar wäre Grosse-Brömer Journalist geworden. Sein Jurastudium in Hamburg verdiente er sich nicht nur mit einem Nebenjob bei der Müllabfuhr, Ende der 80er-Jahre schrieb er auch als freier Mitarbeiter für ein Anzeigenblatt im Landkreis Harburg ("Buchholzer Kurier"). Dort arbeitete er unter anderem mit dem späteren Hamburger Wirtschaftssenator Axel Gedaschko zusammen. Grosse-Brömer war aber auch in der Kanzlei von Herbert Helmrich in Buchholz tätig. Helmrich war als CDU-Bundestagsabgeordneter Vorsitzender des Rechtsausschusses und in der Partei bestens verdrahtet. So bekam Grosse-Brömer einen noch tieferen Kontakt zur Politik.

Nach dem Zweiten Staatsexamen 1992 ließ er sich als junger Mann im Hamburger Speckgürtel in Buchholz/Nordheide als Anwalt nieder, unter anderem mit Schwerpunkt Bau- und Architektenrecht. Zwischenzeitlich war er auch als Notar tätig.

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Grosse-Brömer ist im Landkreis Harburg fest verwurzelt. Aufgewachsen in Winsen, wohnt er heute mit Ehefrau Michaela und den Kindern Marleen, 14, und Moritz, 13, in Brackel. Dort spielt sich das Familienleben ab, aber einmal im Jahr genießen alle zusammen die Hauptstadt und verbringen traditionell ein Vorweihnachts-Wochenende in Berlin. Glaubt man Wegbegleitern, werden Grosse-Brömer die neuen Aufgaben dort gut gelingen. Sie berichten von seiner ruhigen, aber zielstrebigen Art, seine Karriere zu verfolgen, aber auch von einer gewissen Beharrlichkeit: Freunden, die nicht auf Linie der CDU waren, soll Grosse-Brömer früher gern Bücher nicht nur über die Partei, sondern auch ihren langjährigen Vorsitzenden und Altkanzler Helmut Kohl geschenkt haben, um sie für die Christdemokraten zu gewinnen.

Grosse-Brömer selbst trat 1975 in die CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union ein. CDU-Mitglied ist der Katholik seit inzwischen 30 Jahren, seit zwei Jahrzehnten Kreisvorsitzender der CDU Harburg-Land und seit neun Jahren Chef des CDU-Bezirksverbandes Lüneburg. Der Politiker gilt in der Partei als sehr gut vernetzt, er hat ein enges Verhältnis zu Unions-Fraktionschef Volker Kauder sowie zu den Staatssekretären Enak Ferlemann im Verkehrsministerium und Ole Schröder im Innenministerium (beide CDU). Äußern wollte sich Grosse-Brömer zu seinem neuen Amt gestern nicht. "Ich bin bisher nur für das Amt vorgeschlagen", sagte er dem Abendblatt. Die Wahl sei für diesen Dienstag um 15 Uhr angesetzt, danach werde er sich offiziell äußern. "Das gebietet der Anstand."

Als Hobby nennt Grosse-Brömer auf seiner Homepage Ausflüge mit seiner Familie. Außerdem ist er passionierter Jäger und liest gern Bücher, besonders Krimis und Biografien. In Sachen Fußball hält er dem HSV die Treue, musste aber wegen der durchwachsenen Leistung des Vereins in der abgelaufenen Saison oft starke Nerven haben. In seinem neuen Job wird er diese Eigenschaft wohl häufiger unter Beweis stellen müssen. Als erster "PGF", wie der Posten im Hauptstadtjargon genannt wird, obliegt es ihm, das Alltagsgeschäft der insgesamt 237 Unions-Abgeordneten zu organisieren, Streit zu schlichten, Uneinigkeiten auszubügeln und vor allem dann für eine ausreichende Mehrheit zu sorgen, wenn es um wesentliche Entscheidungen für die Bundeskanzlerin geht. Vor allem die bald anstehende Abstimmung über den umstrittenen Fiskalpakt dürfte zur ersten wichtigen Feuerprobe für Grosse-Brömer werden.

( (pau, fis, il) )