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Geschichte eines Pannenreaktors

Das AKW Krümmel bei Geesthacht, das 1983 ans Netz ging, ist gemessen an seiner Leistung der größte Siedewasserreaktor der Welt. Bis 2007 erzeugte er mehr als 200 Milliarden Kilowattstunden. 1986 wurde ein Gutachten bekannt, das im Falle einer Kernschmelze die Beschädigung der Sicherheitshülle und den Austritt von Radioaktivität innerhalb von drei bis 15 Stunden prognostizierte.

Gut 300 Störfälle, die meldepflichtig waren, verzeichnete das Atomkraftwerk Krümmel. Als der Reaktor am 4. Juli 2009 - nach Modernisierungen - wegen eines Transformatorbrandes notabgeschaltet werden musste, trat Chlorgas aus. In Hamburg brach daraufhin ein Teil des Stromnetzes zusammen. Unter anderem fielen rund 1500 von 1711 Ampelanlagen aus. Seither ist der Reaktor abgeschaltet.

Radioaktivität wurde nach Angaben von Betreibern und Behörden bei keinem der Störfälle freigesetzt, trotzdem erkrankten zwischen 1990 und 2009 in der Umgebung des Kraftwerks 19 Kinder an Leukämie, was einer Rate entspricht, die dreimal so hoch wie der Mittelwert ist. Ein Zusammenhang mit dem AKW Krümmel konnte jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

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