Gesundheit

SPD-Experte fordert mehr Geld für Hausärzte

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Gesundheitsminister Rösler fordert wegen eines drohenden Mangels eine Landarztquote. Der SPD-Experte Lauterbach hält dies für "schädlich".

Hamburg. Die heikelste Aufgabe für einen neuen Gesundheitsminister ist der Auftritt beim Deutschen Ärztetag. Zwar kann Dr. med. Philipp Rösler (FDP) heute in Dresden auf Augenhöhe mit seinen Gastgebern reden. Doch er muss ihnen den Spiegel vorhalten. Zu alt, zu wenig beweglich, eigensinnig - das ist die Diagnose.

Mit scharfen Instrumenten will Rösler eine Landarztquote durchdrücken, damit Patienten in unterversorgten Gebieten künftig nicht kilometerweit zur nächsten Praxis fahren müssen. Dazu sollen sogar Abiturienten mit schlechteren Noten schneller einen Medizinstudienplatz erhalten. Hauptsache, der Erstsemester verpflichtet sich später mal als Landarzt. "Die Vorschläge von Rösler sind schädlich", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, dem Abendblatt. "Da werden Vorurteile genährt, als ob der Hausarzt eine intellektuell schlechtere Arbeit liefert als der Facharzt." Der drohende Ärztemangel hat die Politik, die Kassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) alarmiert. KBV-Chef Andreas Köhler schlug vor, einen Fonds einzurichten, mit dem man Praxen in überversorgten Gebieten wie Hamburg aufkauft und stilllegt.

Das wiederum brachte die Freie Ärzteschaft auf die Palme, die ihre Berufsfreiheit beschnitten sieht. SPD-Experte Lauterbach sagte: "Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um die Versorgung mit Haus- und Kinderärzten zu verbessern. Das sind unterbezahlte Arztgruppen. Das muss dringend geändert werden."

Bis zum Jahr 2015 suchen bundesweit 40 000 Praxisärzte einen Nachfolger. Viele junge Mediziner scheuen das Investitionsrisiko. Und einen Sparbeitrag gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen werden die Ärzte ebenfalls leisten müssen. Schon jetzt mahnt der Kassenverband VDEK: "Die Zeiten der Solo-Praxen, die sich in den teuren Wohngegenden in städtischen Ballungsräumen niederlassen, sind vorbei", sagte VDEK-Chef Thomas Ballast. Es könne nicht angehen, dass es in einigen Regionen eine Ärzteschwemme gibt, während in ländlichen Regionen oder in städtischen Problem-Stadtteilen keine Ärzte vor Ort sind. Das Milliarden-Defizit der Krankenkassen gefährdet Röslers Pläne für eine Kopfpauschale. Für Lauterbach ist die Kopfpauschale mit der NRW-Wahl gestorben: "In keiner Variante werden die SPD-geführten Länder einer Kopfpauschale im Bundesrat zustimmen."