Energiepolitik

Umwelt-"Weise": Atomausstieg durch Öko-Strom

Eine 100-prozentige Strom-Versorgung durch „Windkraft, Sonnenenergie und Co." sei bis 2050 zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich.

Berlin. Gegen die schwarz-gelben Pläne längerer Atommeiler- Laufzeiten machen jetzt auch wissenschaftliche Umweltberater der Bundesregierung Front. Für „eine sichere, bezahlbare und klimaverträgliche“ Energieerzeugung sollte die Regierung allein auf den Ausbau von Ökostrom setzen. Dazu benötige man weder längere Laufzeiten über den gesetzlichen Atomausstieg (etwa 2022) hinaus noch neue Kohlekraftwerke, empfiehlt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem am Mittwoch vorgelegten Gutachten.

Eine 100-prozentige Strom-Versorgung durch „Windkraft, Sonnenenergie und Co.“ sei bis 2050 zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich, berichtete der SRU-Vorsitzende Martin Faulstich (München).

In der schwarz-gelben wird eher an verlängerten Weiterbetrieb der noch 17 Atommeiler gedacht – bis zu Modellen mit einem AKW- Weiterbetrieb um 28 Jahre bis 2050. Ratsmitglied Olav Hohmeyer (Flensburg) sagte dagegen: „Für die Übergangszeit sind weder Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke noch neue Kohlekraftwerke erforderlich. Die Brücke zu den erneuerbaren Energien steht bereits.“

Der Ratsvorsitzende Faulstich wies die These der Stromkonzerne, eine „Stromlücke“ erfordere die verlängerte Nutzung der Kernenergie als „Fata Morgana“ zurück. Es stimme auch nicht, dass erneuerbare Energien teurer seien.

Im Umweltausschuss seien die Vorschläge des Sachverständigenrates bei manchen Koalitionspolitikern auf Unglauben gestoßen, berichtete Hohmeyer. Dies sei aber genauso „interessengeleitet“ wie das Tun der Stromkonzerne, die bei zu großem Ökostrom-Tempo ihre Kostenvorteile durch Kernenergie schwinden sähen.

Zentrale Überlegungen in verschiedenen SRU-Modellen zielen auch auf große Energieverbünde der EU mit Nordafrika sowie deutsche Stromspeicher-Möglichkeiten in Skandinavien und Schweden. In Verträgen lasse sich gut regeln, dass Deutschland bei viel Wind und Sonne überschüssigen Strom an die Speicher im Ausland verkaufe und von dort wieder ankaufe, wenn die Sonne nicht scheine und der Wind nicht genug blase.

Nach der Ausschuss-Sitzung erklärte die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl: „Nach Schulnoten hat die Regierung für ihre Energiepläne heute von den eigenen Sachverständigen eine glatte sechs bekommen.“ Längere Laufzeiten seien nicht nötig. „Es wird Zeit, dass die Regierung ihre Hausaufgaben macht und eine verantwortungsvolle Energiepolitik erarbeitet.“