Er war 2018 in Hamburg

Irans früherer Todesrichter Mahmud Schahrudi gestorben

Mahmud Haschemi Schahrudi (r.) im Jahr 2009 neben dem damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad

Mahmud Haschemi Schahrudi (r.) im Jahr 2009 neben dem damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad

Foto: Imago/UPI Photo

Anfang des Jahres ließ er sich in Hannover behandeln und flog anschließend unter Protesten ab Hamburg zurück. Jetzt ist Schahrudi tot.

Teheran. Der ehemalige iranische Justizchef Mahmud Haschemi Schahrudi ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Ajatollah war seit Jahren an einem Hirntumor erkrankt und ließ sich bis Anfang des Jahres auch in einer Klinik in Hannover behandeln. Von Hamburg aus flog Schahrudi im Januar unter Polizeischutz zurück in den Iran.

Nach seiner Rückkehr in die Heimat bedankte er sich bei der niedersächsischen Landesregierung, der Polizei und dem Ärzteteam. "Lobenswert war besonders die gute Koordinierung zwischen Regierung und Polizei", sagte er damals nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Dadurch seien die Proteste "einiger weniger" Iraner gegen ihn unter Kontrolle gehalten worden, schrieb die Agentur weiter.

Demos in Hamburg und Hannover

In Hannover und Hamburg hatten Demonstranten die Festnahme Schahrudis gefordert. Sie warfen ihm Menschenrechtsverletzungen vor. Der frühere Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hatte Strafanzeige gegen Scharudi wegen mehrerer im Iran verhängter Todesurteile gestellt. Allerdings galt Schahrudi innerhalb des iranischen Machtgefüges als relativ gemäßigt und schaffte während seiner Amtszeit die Steinigung ab.

Trotz der schweren Krankheit war Scharudi bis zu seinem Tod Leiter des Schlichtungsrats, der bei legislativen Differenzen zwischen verschiedenen Gremien als Vermittler agiert. Er gehörte zur Führungsriege des islamischen Establishments im Iran und galt vor seiner Erkrankung sogar als einer der potenziellen Nachfolger des obersten iranischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei.