Syrien

Rebellenführer Allusch getötet – so tickt sein Nachfolger

Diese TV-Aufnahme zeigt den Chef der Miliz Dschaisch al-Islam, Sahran Allusch, im April 2015

Diese TV-Aufnahme zeigt den Chef der Miliz Dschaisch al-Islam, Sahran Allusch, im April 2015

Foto: dpa

Radikale Islamisten verlieren bei Luftschlag einen der wichtigsten Anführer. Einzigartige Einigung zwischen IS und Vereinten Nationen.

Damaskus. Einer der wichtigsten Anführer radikal-islamischer Rebellen in Syrien, Sahran Allusch, ist bei einem Luftangriff nahe der Hauptstadt Damaskus getötet worden. Der 44-jährige Chef der Miliz Dschaisch al-Islam („Armee des Islam“) starb zusammen mit fünf wichtigen Kommandeuren im östlichen Vorort Ghuta, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag berichtete. Bei dem Strategietreffen sei es um einen Angriff auf Regierungstruppen und die mit ihnen verbündete libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah gegangen.

Zunächst blieb unklar, ob russische oder syrische Jets die Angriffe ausgeführt haben. Während die Rebellen der Syrische Nationalkoalition und der Freien Syrischen Armee die Russen der Tat bezichtigten, erklärte die syrische Armee, sie selbst habe die Angriffe geflogen. Beobachtern zufolge könnte der Tod Alluschs dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad den Rücken stärken für die anstehenden Friedensgespräche mit der Opposition.

Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien, die nach Angaben aus Moskau vor allem dem IS gelten sollen. Seither wurden aber auch zahlreiche Anführer von Rebellengruppen getötet. Kritiker werfen Russlands Präsidenten Wladimir Putin vor, mit den Luftangriffen vor allem Rebellengruppen zu bekämpfen, um der syrischen Regierung Vorteile zu verschaffen.

Allusch kam 2011 durch Amnestie frei

Die sunnitische Miliz Dschaisch al-Islam („Armee des Islam“) gilt mit Tausenden Kämpfern als die größte und am besten organisierte Rebellengruppe im syrischen Bürgerkrieg. Sie ist vor allem in den Gebieten östlich von Damaskus stark. Dort kontrolliert sie die Region Ost-Goutha, über die die Truppen von al-Assad wieder die Kontrolle bekommen wollen. Die Gruppe nahm im Dezember auch an der Einigungskonferenz der syrischen Opposition in Riad teil, die Verhandlungen mit dem Regime vorbereitete. Medienberichten zufolge wurde die Gruppe längere Zeit mit Millionenbeträgen aus Saudi-Arabien unterstützt.

Allusch, Sohn eines in Saudi-Arabien ansässigen islamischen Geistlichen, war zu Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 im Zuge einer Amnestie der Regierung aus dem Gefängnis freigekommen, zusammen mit weiteren Islamisten. Allusch hatte sich gegen die radikalen Ideologien des Islamischen Staats (IS) und al-Qaida gestellt und war für eine moderatere Ausprägung des Islam eingetreten. Er wird für die Anschläge in Damaskus im Juli 2012 verantwortlich gemacht, bei denen Verteidigungsminister Dawud Radschiha und ein Schwager von al-Assad getötet wurden.

Zu Alluschs Nachfolger wurde noch am Freitag einer seiner Stellvertreter, Abu Hamam al-Bujdani, ernannt. Der 40-Jährige gilt unter Aktivisten als besonnener Anführer, der aber auch den Kampf an Frontlinien nicht scheue. Der ehemalige Geschäftsmann aus der Stadt Duma bei Damaskus - einer Hochburg der Miliz - schloss sich Allusch 2011 an. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von einer starken Bindung Al-Bujdanis zu den islamistischen Muslimbrüdern.

Einzigartiges Abkommen zwischen UN und IS

Unterdessen ermöglicht ein bisher einzigartiges Abkommen mit Syriens Regime Hunderten Anhängern der IS-Terrormiliz und anderen Extremisten den Abzug aus dem Süden von Damaskus. Die von den Vereinten Nationen vermittelte Einigung sieht vor, dass die Kämpfer und ihre Familien Viertel am Rand der Hauptstadt verlassen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Es sei das erste Mal, dass sich das syrische Regime und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Abkommen geeinigt hätten.

Die dem Regime nahestehende libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen meldete, insgesamt würden mehr als 3500 Bewaffnete und Zivilisten abziehen. Darunter seien auch Kämpfer der Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

USA und Irak wollen gemeinsam gegen Dschihadisten vorgehen

Der US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat überraschend die irakische Hauptstadt Bagdad besucht, um dort mit Ministerpräsident Haider al-Abadi über den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz ISIL zu sprechen. Die beiden Länder wollen ihre Kooperation verbessern, besonders im Hinblick auf Bewaffnung und Ausbildung der irakischen Soldaten. #Ashton #carter ‘s Unexpected Visit to #Iraq https://t.co/sePy6siPeH pic.twitter.com/A0ffRuPc0d— Ennahar (@EnnaharEn) 16. Dezember 2015 Es geht um Helikopter und Militärberater, die helfen sollen, die von den Dschihadisten besetzte Stadt Ramadi zurückzuerobern. Auch die Ölinfrastruktur der Terroristen ist im Visier der USA. Ashton Carter arrived in Iraq today to discuss steps to speed the campaign against ISIS. https://t.co/lCVf8fgu9x pic.twitter.com/S30ROsY5yV— New York Times World (@nytimesworld) 16. Dezember 2015 Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien und im Irak flogen die USA und ihre Verbündeten fast 9.000 Angriffe. Es gelang, rund 40 Prozent der einst von ISIL kontrollierten Gebiete zurückzugewinnen. In Grau: Die von der Miliz ISIL kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak Card Die deutsche Bundeswehr wird spätestens am 8. Januar erstmals mit Aufklärungs-Tornados die Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz unterstützen.
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Video: euronews Weltnachrichten

IS-Kämpfer wollen eigene Waffen zerstören

Die Extremisten werden laut den Menschenrechtsbeobachtern mit Bussen in Gebiete unter ihrer Kontrolle gebracht, unter anderem in die IS-Hochburg Al-Rakka. Sie hätten zugestimmt, vorher Waffen und Militärfahrzeuge zu zerstören. Die Extremisten hatten von den Stadtvierteln Al-Hadschar al-Aswad und Al-Kadam aus das benachbarte palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk angegriffen.

Im Syrienkrieg wollen Russland und das Golfemirat Katar direkte Gespräche der syrischen Opposition mit der Regierung unterstützen. Das sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem katarischen Kollegen Chalid al-Atija am Freitag in Moskau. Zugleich betonten die beiden Chefdiplomaten, dass ihre Positionen zur Zukunft des syrischen Machthabers Baschar al-Assad weiterhin stark auseinandergingen. Russland stützt Assad aktiv mit Luftangriffen auf Ziele in Syrien sowie mit Waffenlieferungen. Al-Atija betonte hingegen, Katar sehe für Assad keine politische Zukunft.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, insgesamt hätten russische Kampfjets seit Beginn der Intervention am 30. September mehr als 5200 Angriffe geflogen.