„Islamischer Staat“ geht gegen Kritiker in den eigenen Reihen vor

Beirut. Nach der Ermordung eines jordanischen Kampfpiloten durch den „Islamischen Staat“ (IS) geht die Extremistenorganisation offenbar gegen Kritiker der Tat in den eigenen Reihen vor. Ein Geistlicher, der Einwände geäußert hatte, soll der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge vor Gericht gestellt werden. Immer wieder wird berichtet, dass die Miliz eigene Kämpfer tötet, wenn diese sich vom IS abkehren und fliehen wollen. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle teilte mit, der Geistliche aus Saudi-Arabien könnte vom IS getötet werden. Er hatte beim Treffen eines religiösen IS-Gremiums in Syrien gefordert, die Verantwortlichen für die Tat vor Gericht zu stellen. Der Pilot war nach seinem Absturz über IS-Gebiet bei lebendigem Leib verbrannt worden. Der IS verbreitet einen religiösen Erlass, nach dem Ungläubige bei lebendigem Leib verbrannt werden dürfen.

Der prominente radikale Prediger Abu Mohammed al-Makdesi verurteilte die Verbrennung dagegen scharf. Eine solche Tat sei „in keiner Religion akzeptabel“, sagte er am Freitag. Al-Makdesi ist für viele Extremisten der Terrororganisation Al-Qaida ein spiritueller Mentor. Am Donnerstag war er nach mehr als drei Monaten aus jordanischer Haft entlassen worden.