„Ohne Hilfe ist Westafrika verloren“

Schon mehr als 3400 Ebola-Tote. Liberia appelliert an Spendenbereitschaft der Deutschen. USA diskutieren Reiseverbote

Washington/Berlin. Mit einem eindringlichen Appell hat Liberias Botschafterin in Deutschland, Ethel Davis, für mehr Hilfen für die Opfer der Ebola-Epidemie geworben. „Das Virus breitet sich sehr, sehr schnell aus. Wenn es nicht gestoppt wird, wird es über die Grenzen der betroffenen Länder hinausgehen“, sagte Davis am Montag in Berlin. Die Krankheit sei außer Kontrolle geraten. Es würden dringend mehr Spenden benötigt, um die Krankheit zu stoppen. „Ohne Hilfe ist Westafrika verloren.“

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden dort bis Ende September mehr als 7400 Ebola-Fälle registriert, mehr als 3400 Menschen starben. Die Dunkelziffer wird jedoch weit höher geschätzt. Davis sagte, das Gesundheitssystem von Liberia sei mit der Katastrophe überfordert. „Nach 20 Jahren Bürgerkrieg haben wir das System gerade erst aufgebaut.“ Ein weiteres Problem sei die Verknappung von Nahrungsmitteln, weil nichts mehr produziert werde. In Deutschland glaubten viele, die Krankheit sei „weit weg“, sagte Davis. Das sei falsch. „Ebola kann Grenzen und Kontinente überwinden“, warnte die Botschafterin.

Nach Angaben der „Aktion Deutschland hilft“, einem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen, ist die Spendenbereitschaft der Deutschen für die Ebola-Opfer äußerst gering. „Noch nie wurde so wenig Geld gegeben“, sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach. Bisher seien bei „Aktion Deutschland hilft“ erst 90.000 Euro gesammelt worden. Das sei weitaus weniger als bei anderen Katastrophen.

Erstmals während der aktuellen Ebola-Epidemie hat sich ein Mensch innerhalb Europas mit dem gefährlichen Virus infiziert. Wie spanische Medien unter Berufung auf Gesundheitsbehörden berichteten, steckte sich eine Krankenschwester an, die einen Ebola-Patienten in einem Madrider Krankenhaus gepflegt hatte. Zwei Bluttests fielen positiv aus. Bei der Krankenschwester handele um eine 44-jährige verheiratete Frau, die zwei Kinder habe. Sie hatte den spanischen Geistlichen Manuel García Viejo gepflegt, der sich in Sierra Leona mit Ebola infiziert hatte und mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden war. Der 69-Jährige starb am 25. September in Madrid.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, dass sich eine norwegische Mitarbeiterin in Sierra Leone mit dem Ebola-Virus angesteckt hat. Die Frau sollte zur Behandlung in das Osloer Universitätsklinikum geflogen werden. Als nunmehr fünfter Amerikaner, der sich in Westafrika mit Ebola infizierte und in die Heimat gebracht wurde, traf am Montag ein Kameramann des Senders NBC in Omaha (US-Staat Nebraska) ein. Der 33-Jährige wird in der Isolierstation des Nebraska Medical Center behandelt. Der Freiberufler war NBC zufolge für Dreharbeiten in der liberischen Hauptstadt Monrovia engagiert worden. Erstmals war in der vergangenen Woche auch bei einem Menschen in den USA selbst Ebola diagnostiziert worden: Thomas Eric Duncan, der aus Liberia stammt, wird in Texas behandelt. Er schwebt weiter in Lebensgefahr, sein Zustand habe sich nicht verbessert, teilte das Texas-Health-Presbyterian-Krankenhaus in Dallas mit. Der Mann werde derzeit allerdings nicht mit experimentellen Medikamenten wie ZMapp behandelt, sagte der Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden: „Es gibt davon nur sehr wenig auf der Welt, und soweit ich das richtig verstehe, ist das alles aufgebraucht. Es dauert sehr lange, mehr davon herzustellen, also wird es noch eine ganze Weile lang nicht vorhanden sein.“ Ein im Zusammenhang mit der Erkrankung von Duncan gesuchter Obdachloser ist mittlerweile aufgetaucht. Wenige Stunden zuvor hatten die Behörden, die das tödliche Ebola-Virus fieberhaft einzudämmen versuchen, die Suche nach ihm eingeleitet. Der Mann gehört zu einer Gruppe von rund 38 Menschen, die Kontakt zu Duncan gehabt haben könnten. Er soll nun täglich auf Symptome kontrolliert werden.

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Ebola-Epidemie hat in den USA eine Debatte über ein Reiseverbot für die betroffenen Länder in Westafrika ausgelöst. Der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, sprach sich gegen eine solche Maßnahme aus. Ein Reiseembargo für die Region werde eine Eindämmung des Virus nur erschweren, sagte er in der TV-Sendung „Fox News Sunday“. Zudem könnte eine Isolation der Länder zivile Unruhen und sogar den Sturz von Regierungen nach sich ziehen. Der republikanische Senator Mark Kirk machte sich hingegen zum Schutz von Amerikanern für eine allmähliche Aussetzung von Flügen aus der Region stark. Sein Parteikollege Tim Murphy will noch in dieser Woche im Repräsentantenhaus Anhörungen zu dem Thema ansetzen.

In der Diskussion über ein mögliches Flugverbot für Westafrika gab CDC-Chef Frieden zu bedenken, dass die Maßnahme auch rückkehrwillige Amerikaner treffen würde. „Es gibt viele weitere Menschen, die ein Recht darauf haben, dieses Land zu betreten“, sagte Frieden bei einer Lagebesprechung. Bis der Ausbruch in Westafrika nicht unter Kontrolle gebracht sei, sei ein „Nullrisiko“ nicht zu erreichen.

Vertreter der Regierung in Washington hatten zuletzt betont, das moderne Gesundheitssystem in den USA sei weitaus besser für eine Eindämmung von Ebola gerüstet, als die desolate medizinische Infrastruktur in den besonders betroffenen westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea.