Polen feiert Fest der Freiheit

Doch der Blick geht in die Ukraine, die ihren eigenen Weg nach Europa noch gehen muss

Warschau. Polen feiert sein Fest der Freiheit, doch am Rande des Warschauer Schlossplatzes wehen mehr Fahnen in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb als im polnischen Weiß-Rot. Solidarität mit der Ukraine wird auf einem riesigen Transparent gefordert, das die Zaungäste schwenken, als US-Präsident Barack Obama das Wort ergreift. Zuvor hatte schon Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski betont: „Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität mit der Ukraine.“

Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität – das ist in Polen ein geflügeltes Wort, das für den großen historischen Umbruch im Jahr 1989 steht. Ohne eine Wiederzulassung der Gewerkschaft Solidarnosc, so betonten die polnischen Bürgerrechtler am runden Tisch, sei in Polen auch keine Freiheit möglich. Die unabhängige Gewerkschaft, die mit dem Kriegsrecht in den Untergrund getrieben worden war, wurde wieder legal – und am 4. Juni 1989 konnten die polnischen Wähler frei über 35 Prozent der Parlamentsmandate entscheiden. Es wurde ein haushoher Sieg für Solidarnosc und der Anfang des Umbruchs bis zum Fall der Berliner Mauer. „Erst waren wir nur ein paar Dutzend, dann Hunderte, und schließlich zehn Millionen“, blickt Komorowski zurück auf Polens langen Weg zur Freiheit. Auch Komorowski gehörte der Opposition an, ebenso wie Regierungschef Donald Tusk oder der nationalkonservative Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski. Die Gräben, die das einstige Solidarnosc-Lager heute teilen, kamen später.

Doch beim Fest der Freiheit ging der Blick am Mittwoch nicht so sehr in die Vergangenheit – zu sehr hat die Entwicklung in der Ukraine in den vergangenen Monaten auch in Polen Gefühle aufgewühlt. Die Demonstrationen auf dem Maidan nährten Erinnerungen an den eigenen Kampf gegen ein autoritäres Regime. Und das Vorgehen Russlands weckte alte Ängste vor dem großen Nachbarn, der Polen mehrfach in der Geschichte beherrschte.

Ehrengast Barack Obama erhält die lauteste Zustimmung, als er betont: „Die Ukraine strebt nach Freiheit – so wie Polen vor 25 Jahren.“ Und er fügt hinzu: „Jedes Volk und jedes Land hat das Recht, seine Zukunft selber zu bestimmen.“ Die USA und andere Staaten würden die Annexion der Krim „niemals akzeptieren“. So wie die Länder des Westens Polen bei dessen Übergang zur Demokratie zur Seite standen, „so stehen wir Seite an Seite mit der Ukraine“. Und Obama garantiert die dauerhafte Unterstützung der Ukraine. „Die USA stehen hinter dem ukrainischen Volk – nicht nur in den kommenden Tagen oder Wochen, sondern in den kommenden Jahren“, sagt er nach einem Treffen mit dem neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Warschau. Auch Ängste vor einer Eskalation jenseits der polnischen Ostgrenze versucht Obama zu zerstreuen: „Ich bin hierhergekommen, um unser Engagement für die Sicherheit Polens zu bekräftigen. Es wird nie wieder alleine dastehen.“

Poroschenko hatte sich bereits zuvor zuversichtlich gezeigt, dass die Krim wieder „frei und ukrainisch“ sein werde. Auch er erinnerte an Gemeinsamkeiten im polnischen und im ukrainischen Freiheitskampf: „Ich denke, so wie man das Wort ,Solidarnosc‘ nicht übersetzen muss, wird auch ,Maidan‘ überall verstanden.“