Kläger kämpfte vier Jahre gegen den Internetriesen

Madrid/Straßburg. Er war wütend und verzweifelt genug, um den Kampf mit dem Giganten Google aufzunehmen und hat jetzt gewonnen. Der Spanier Mario Costeja Gonzalez ist Anwalt, Schriftexperte und Professor. Es fiel dem Mann, der vor den Toren Madrid lebt, nicht schwer, für sein Recht einzutreten und gegen Googles Geschäftspraktiken vorzugehen. Seine Probleme mit Google gehen auf das Jahr 1998 zurück. Damals veröffentlichte die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ eine Liste von Immobilien, die gepfändet werden sollten, weil die Besitzer ihren Verpflichtungen bei der staatlichen Sozialversicherung nicht nachkamen.

Dabei tauchte auch Gonzalez’ Name auf, weil er Miteigentümer einer Immobilie war. Als „La Vanguardia“ einige Jahre später ihr Archiv digitalisierte, begannen seine Probleme: Sein Name tauchte in einigen Links auf – und der Anwalt wurde mit dem unschönen Thema Pfändung in Verbindung gebracht. „Die Schulden waren längst bezahlt, doch für Google bin ich erstens Schuldner und zweitens verheiratet, obwohl ich längst geschieden bin“, sagt der Anwalt scherzhaft. 2009 versuchte er, die Zeitung zum Löschen der Information zu bringen. Vergeblich.

Die Links schadeten ihm eine Zeit lang auch beruflich. Costeja Gonzalez änderte seine Visitenkarte, um nicht mit dem Google-Verweis in Verbindung gebracht zu werden. Die spanische Datenschutzagentur sprang ihm vor vier Jahren zur Seite und klagte gegen Google. Sie vertritt derzeit 220 ähnliche Fälle, doch Google weigert sich bisher, ihre Daten zu löschen. „Man muss versuchen, Ordnung in dieses Chaos bringen“, sagte Gonzalez in einem Interview. Von Spaniens Internet-Gemeinde wird er nun als Held gefeiert. „Ich kämpfe nicht für mich, sondern für alle, die nach mir kommen“, so Gonzalez.