Journalisten sichten Akten Janukowitschs

Dokumente des gestürzten Präsidenten zeugen von Reichtum und Gewalt

Kiew. Am 22. Februar dringen Aktivisten der Maidan-Bewegung nach Meschigorje vor und besetzen das 137 Hektar große Anwesen des entmachteten und geflüchteten ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch nahe Kiew. Seine Sicherheitsleute warfen bei der Flucht Hunderte Aktenordner ins Kiewer Meer, einen Stausee, der direkt an Janukowitschs Palast angrenzt. Papiere schwammen auf dem Wasser, dicke Ordner sickerten auf den Grund des Sees. „Jemand hatte Fotos vom See auf Facebook gestellt, so wurden wir auf die Dokumente aufmerksam“, berichtet Aleksandr Akimenko. Der Journalist fuhr dann mit zwölf Kollegen auf den Landsitz, um die Dokumente zu sichern. „Wir haben 22.470 Blatt Papier digitalisiert“, sagt Akimenko. Die Präsidenten-Akten stellt das Team auf www.yanukovychleaks.org ins Internet.

Viele Daten betreffen Janukowitschs Firmenimperium, seine Antiquitätensammlungen und Yachten, den Fuhrpark und die Residenz Meschigorje. Die Aktenstapel verraten zudem, dass der Präsident panische Angst vor der Presse hatte. Janukowitschs Leibwache sammelte akribisch Informationen über die Reporterin Tetjana Tschernowil. Die Journalistin berichtete mehrmals über das Anwesen Meschigorje und über eine zweite Luxusresidenz, die der Präsident im Kiewer Vorort Kontscha Saspa plante. Am 24. Dezember drängte ein Porsche Cayenne Tschernowils Wagen von der Straße ab. Drei Männer stiegen aus, schlugen die Frau zusammen und ließen sie bewusstlos im Straßengraben liegen. Janukowitsch bestreitet, etwas mit dem Angriff zu tun zu haben. Notizbücher, die im Wachhaus von Janukowitschs Leibgarde gefunden wurden, enthüllen jedoch, dass der Präsident die unbequeme Journalistin observieren ließ.

Im Dezember 2010 soll Janukowitsch 5,6 Millionen Dollar an eine Firma gezahlt haben, die Medienberichte auswertet. Die Summe liegt weit über dem üblichen Preis. Journalisten vermuten daher, dass Janukowitsch über die Firma Geld waschen ließ. Andere Rechnungen, die ebenfalls auf Geldwäsche hindeuten, sind chiffriert: „12 Millionen Dollar in bar für einen Vertrag zwischen Residenz und Gästehaus“, steht auf einer Quittung geschrieben. Auch von der Frauengruppe Femen, die für ihre Oben-ohne-Proteste bekannt ist, fühlte sich Janukowitsch belästigt. Auf einer Schwarzen Liste stehen alle ukrainischen Femen-Aktivistinnen.