FBI sieht Hinweise auf Extremisten

Noch ist unklar, wer hinter dem Anschlag in Boston steckt. In Deutschland bringt die CSU wieder die Vorratsdatenspeicherung ins Spiel

Boston. Sein Blick war ernst, entschlossen. Drei Stunden nachdem die Bomben in Boston explodiert waren, trat US-Präsident Barack Obama vor die Kameras. Man wisse nicht, „wer das getan hat oder warum“, sagte er. Aber wer immer verantwortlich sei, werde „die volle Macht der Justiz zu spüren bekommen“. In seiner Erklärung vermied er den Ausdruck Terrorismus oder Terroranschlag. Die Explosionen seien die Taten eines Einzelnen oder einer Gruppe. „Wir werden herausfinden, wer das getan hat, und ihn dafür zur Rechenschaft ziehen“, sagte der Präsident. Wie später aus dem Weißen Haus verlautete, behandele man die Vorfälle jedoch als Terrorismus. Die Sicherheitsmaßnahmen würden soweit wie nötig verschärft, erklärte Obama weiter. Genauere Angaben dazu machte er nicht. Der Secret Service verschärfte jedoch die Kontrollen und die Präsenz um das Weiße Haus und vergrößerte die Sperrzone. Auch in zahlreichen anderen Großstädten wie Los Angeles, New York und Seattle wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Auch am Dienstagabend europäischer Zeit war unklar, wer hinter den Bombenanschlägen während des Marathons in Boston steckt. Die Sicherheitsbehörden ermitteln fieberhaft in mehrere Richtungen. Als Attentäter vermuten sie eine regierungsfeindliche Gruppe aus dem Inland oder radikale Islamisten, wie Nachrichtenagenturen aus Kreisen der US-Fahnder erfuhren. Die Bundespolizei FBI übernahm die Federführung bei den Ermittlungen, an denen sich neben den örtlichen Behörden auch der Geheimdienst CIA beteiligte. Übereinstimmend hieß es, dass vor dem Angriff keine Warnung eingegangen sei. Es gab zunächst keine Festnahmen. Der für Boston zuständige leitende FBI-Beamte Richard Des Lauriers sagte, ein terroristischer Zusammenhang werde nicht ausgeschlossen. Das FBI gehe „einem Berg von Hinweisen“ nach. Des Lauriers betonte, dass es keine weiteren Bedrohungen gebe.

In Ermittlerkreisen hieß es, der Zeitpunkt des Angriffs spreche für einheimische Extremisten, die einen mächtigen Staat ablehnen. Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots’ Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind ein Reizthema für einige amerikanische Extremistengruppen. Die Fahnder würden zudem als zweite Möglichkeit einen islamistischen Hintergrund diskutieren. Hierfür spreche die Vorgehensweise: Die Zündung von zwei Sprengsätzen in kurzem zeitlichen Abstand voneinander bei einem Großereignis sei die Art von Angriff, die vom Islamistenmagazin „Inspire“ propagiert werde. Die Zeitschrift wird im Internet von der Gruppe al-Qaida im Jemen verbreitet.

In Deutschland hat die CSU die Anschläge zum Anlass genommen, erneut auf die Einführung der Vorratsdatenspeicherung im Kampf gegen Terrorismus zu dringen. Innenexperte Hans-Peter Uhl sagte im Deutschlandfunk, es wäre zwar töricht zu behaupten, dass die Vorratsdatenspeicherung allein Terrorakte verhindern könne. „Aber das ist ein Instrument neben mehreren.“ Mit der Vorratsdatenspeicherung allein sei man nicht in der Lage, einen Anschlag zu verhindern. „Aber sie ist ein wichtiger Baustein.“