Duell um Präsidentenamt

Tschechen schicken Zeman und Schwarzenberg in Stichwahl

Erste Direktwahl des Staatspräsidenten ist am Sonnabend nach zwei Tagen zu Ende gegangen. Ex-Premier Fischer überraschend aus dem Rennen.

Prag. Überraschende Zwischenetappe einer historischen Wahl: Die Tschechen haben zum ersten Mal direkt über ihren künftigen Präsidenten abgestimmt und Milos Zeman in die Stichwahl mit einem Außenseiter geschickt. Neben dem linken Ex-Regierungschef darf in zwei Wochen der konservative Außenminister Karel Schwarzenberg um den Einzug in die Prager Burg kämpfen. Der bis vor kurzem als aussichtsreichster Kandidat gehandelte frühere Ministerpräsident Jan Fischer landete bei der Abstimmung unter neun Kandidaten hingegen nur auf Platz drei. Ein tätowierter Paradiesvogel blieb chancenlos.

Nach Auszählung aller in den 15.000 Wahlbüros abgegebenen Stimmzettel am Sonnabend konnte Zeman konnte 24,2 Prozent der Kreuze auf sich vereinen, Schwarzenberg lag mit 23,4 Prozent knapp dahinter. Für Fischer entschieden sich nur 16,4 Prozent der Wähler. Weil kein Kandidat im ersten zweitägigen Wahlgang eine absolute Mehrheit erreichte, folgt nun am 25. und 26. eine zweite Runde.

„Es wird ein Präsidentschaftsrennen zwischen einem Kandidaten der Linken und einem Kandidaten der Rechten“, sagte Zeman, der nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2003 im Alter von 68 Jahren die Rückkehr an die Macht plant. „In der zweiten Runde fangen wir noch mal ganz von vorne an.“

Schwarzenberg mit starkem Endspurt

Karel Fürst zu Schwarzenberg versicherte seinerseits, er werde alles tun, um aus Tschechien vom Amtssitz auf dem Prager Hradschin-Berg aus „ein erfolgreiches Land“ zu machen. Der adelige Außenminister hatte mit einem starken Kampagnen-Endspurt viele Wähler für sich gewinnen können und diese Woche 10.000 Anhänger bei einer Massenversammlung in Prag um sich geschart.

Beide Kontrahenten brachten sich schon einmal für die kommende Stichwahl in Stellung und trugen erste Wortgefechte aus. Schwarzenberg bezeichnete Zeman als Repräsentant einer vergangenen Ära, der wiederum forderte dazu auf, den Außenminister für die schmerzhafte Sparpolitik seiner Regierung zur Verantwortung zu ziehen.

Die zweite und letzte Amtszeit des scheidenden Präsidenten Vaclav Klaus endet am 7. März. Er hatte die im vergangenen Februar verabschiedete Verfassungsänderung, die erstmals eine Direktwahl des Staatsoberhauptes ermöglicht, als „fatalen Fehler“ bezeichnet. Seit der Spaltung der ehemaligen Tschechoslowakei im Jahre 1993 wurde Tschechien von zwei parlamentarisch gewählten Präsidenten geführt. Vor Klaus hatte der Dichter und Dissident Vaclav Havel (1993-2003) das höchste Staatsamt inne.

Schillernder Polit-Exzentriker und adeliger Fürst

Milos Zeman gehört zu den schillernderen Figuren der Prager Politszene. Zwischen 1998 und 2002 war der Kettenraucher mit einer Schwäche für Alkohol Chef einer linksliberalen Minderheitsregierung. Später zerstritt er sich mit seiner sozialdemokratischen Partei CSSD und gründete 2009 die Bürgerrechtspartei SPOZ. Zeman studierte wie Fischer Ökonomie und hegt für Tschechien „die Vision eines Sozialstaats nach skandinavischem Vorbild“. Zugleich aber kündigte er an, sich „durch regelmäßige Auftritte in Kabinett und Parlament“ aktiv in die Regierungspolitik einmischen zu wollen.

Der 75-jährige Schwarzenberg ist Parteichef der konservativen TOP 09 und Mitglied der regierenden Mitte-Rechts-Koalition. Während der Herrschaft Kommunisten lebte er im österreichischen und deutschen Exil. Nach der Samtenen Revolution wurde er Havels Kanzler und von 2007 bis 2009 Außenminister – ein Amt, das er nach den Wahlen 2010 wieder übernehmen durfte.

Der ebenfalls kandidierende Prager Musiker und Theaterwissenschaftler Vladimir Franz blieb bei der Abstimmung ohne Chance. Der wegen seiner Ganzkörper-Tätowierungen von Anhängern auf den Namen „Avatar“ (nach dem amerikanischen Science-Fiction-Film) getaufte Außenseiter erhielt bloß 6,8 Prozent der Stimmen. Enttäuscht reagierte Franz deshalb nicht: Der Professor der renommierten Akademie der Musischen Künste in Prag feierte sein Abschneiden vielmehr als „einen Erfolg“.

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