USA: Der Demokrat liegt wieder in Führung

Die Bankenkrise nützt Obama

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Thomas Frankenfeld

Viele Amerikaner lasten das Finanzdesaster den Republikanern an und trauen Obama eher eine Lösung zu.

Hamburg/London/New York. "NEIN, NEIN, NEIN, nicht einfach nein, sondern: Zur Hölle, NEIN!" Der Blog-Eintrag eines Richard aus Anchorage in Alaska bei CNNMoney.com sei typisch für die aufgeheizte Stimmung vieler Amerikaner, schrieb die Londoner "Times". Die 700-Milliarden-Dollar-Infusion zur Rettung des US-Bankenwesens empört Millionen Bürger - mit Auswirkungen auf den Präsidentschaftswahlkampf.

Die US-Bürger verstehen nicht, dass jene Banken, die mit ihren Spekulationen die Krise ausgelöst haben, Geld bekommen, während sie selber auf ihren Schulden sitzen bleiben.

Claudio aus Plainville in Connecticut meinte: "Es ist unser Geld! Lasst diese Banken doch sterben." Zurzeit verlieren 450 000 Amerikaner ihre Jobs - pro Woche. Die Werte ihrer Immobilien - sofern sie ihnen überhaupt noch gehören - sind im freien Fall. Und nun wird jeder Steuerzahler statistisch mit einer zusätzlichen Rechnung von 5354 Dollar für das Rettungsprogramm der Bush-Regierung belastet. Ein Dean aus Madison in Wisconsin brachte es auf den Punkt: "Ich bin es leid, dass Leute und Institutionen für die Fehlentscheidungen belohnt werden, die sie getroffen haben. Sicher, es trifft den Steuerzahler, wenn einige dieser Institutionen zusammenbrechen. Aber vielleicht sollten wir genau das mal geschehen lassen ..." Der prominente Wall-Street-Analyst Chris Whalen nannte die Regierungsaktion "unangemessen" und meinte: "Es ist so viel Wut da draußen im Wahlvolk."

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Und diese Wut schlägt sich in den neuesten Umfragen nieder. War der Kandidat John McCain nach dem Parteitag der Republikaner und der umjubelten Inthronisation seiner "Vize"-Kandidatin Sarah Palin noch mit 49 zu 47 Prozentpunkten vor dem Demokraten Barack Obama in Führung gegangen, so zog Obama jetzt mit bis zu neun Prozentpunkten davon.

Eine Umfrage der "Washington Post" und des US-Senders ABC News ergaben eine Zustimmung von 52 Prozent für Obama und nur 43 Prozent für McCain.

Auch in den wahlentscheidenden, besonders umkämpften "swing states" ging Obama in Führung: mit 48 zu 45 Prozent in Wisconsin, mit 47 zu 44 Prozent in Pennsylvania.

Fast die Hälfte der Amerikaner lasten die Versäumnisse und Fehlentscheidungen in der Bankenkrise den regierenden Republikanern von Präsident George W. Bush an, nur ein Viertel den Demokraten. Barack Obama trauen die Wähler auch eher zu, die Misere zu lösen. Konzepte dazu könnten die Wahl im November entscheiden.

Für die Republikaner ist es da nicht hilfreich, dass ausgerechnet ihr Wahlkampfmanager jahrelang im Sold der umstrittenen und kürzlich aus Not verstaatlichten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac stand.

Wie die "New York Times" meldete, soll Rick Davis bis 2006 fast zwei Millionen Dollar erhalten haben - als Gegenleistung für Bemühungen, stärkere staatliche Kontrollen der Banken beim Kauf immer riskanterer Hypotheken zu verhindern.

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