Die US-Wahl: 50 Antworten auf Fragen, die die ganze Welt bewegen

Warum Barack Obama noch verlieren kann

Abendblatt-Chefreporter Thomas Frankenfeld hat die Fakten zusammengetragen: dass der Bradley-Effekt die Umfrageergebnisse auf den Kopf stellen kann, wann der neue US-Präsident den Amtseid leisten wird - und warum dienstags gewählt wird.

Abendblatt-Chefreporter Thomas Frankenfeld hat die Fakten zusammengetragen: dass der Bradley-Effekt die Umfrageergebnisse auf den Kopf stellen kann, wann der neue US-Präsident den Amtseid leisten wird - und warum dienstags gewählt wird.

1. Was ist besonders an der Wahl des US-Präsidenten 2008?

Zum ersten Mal kann ein Schwarzer US-Präsident werden, zum ersten Mal treten zwei amtierende Senatoren gegeneinander an, zum ersten Mal zwei Kandidaten, die nicht auf dem US-Kontinent geboren wurden - Obama auf Hawaii, McCain in der Panama-Kanalzone.

2. Wird nur der Präsident gewählt?

Nein, auch 35 von 100 Senatoren, alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und elf Gouverneure. Zudem wird über 150 Gesetzesvorschläge entschieden.

3. Warum wird immer an dem Dienstag gewählt, der dem ersten Montag im November folgt?

Das entschied der Kongress 1845. Im November, weil dann die Ernte eingefahren war. Und dienstags, weil der Sonntag aus religiösen Gründen als Wahltag ausfiel und viele Wähler damals zwei Tage bis in die nächste Stadt zum Wahllokal benötigten.

4. Wie viel verdient ein US-Präsident?

George W. Bush nahm 2007 insgesamt mehr als 856 000 Dollar ein - davon betrug sein Präsidentengehalt 397 534 Dollar. Der Rest waren Zinserträge aus Vermögen. Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient rund 260 000 Euro.

5. Gewinnt die Wahl, wer die meisten Stimmen der US-Wähler bekommt?

Nein - wer die meisten Stimmen der Wahlmänner bekommt. Bush gewann aufgrund des komplizierten US-Wahlsystems deshalb im Jahre 2000 - obwohl Al Gore 500 000 Wählerstimmen mehr bekam.

6. Treten nur Barack Obama und John McCain an?

Nein, neben dem prominenten parteilosen Umweltaktivisten Ralph Nader kandidieren noch weitere zehn Bewerber.

7. Welche formalen Voraussetzungen muss ein Präsidentschaftskandidat erfüllen?

Er muss gebürtiger Amerikaner und mindestens 35 Jahre alt sein und seit mindestens 14 Jahren in den USA seinen ständigen Wohnsitz haben.

8. Was haben Obama und McCain mit Asien zu tun?

McCain war in Vietnam in Kriegsgefangenschaft, Obama, geboren in Hawaii, lebte ab 1967 vier Jahre lang in Indonesien. Indonesier betrachten Obama daher als "einen der Ihren".

9. Warum lehnen so viele Amerikaner höhere Steuern für Reiche ab?

Weil in vielen Amerikanern der Glaube verwurzelt ist, es eines Tages selber zu schaffen, reich zu werden.

10. Was sind "safe states" und "swing states"?

In den "safe states" hat eine Partei eine uneinholbare Mehrheit, in den "swing states" muss um jede Stimme gekämpft werden.

11. Wird wieder mit den umstrittenen Wahlmaschinen gewählt?

Ja, 80 Prozent der Wähler geben ihre Stimme per Maschine ab. Diese Machinen gelten als störanfällig. Das Präzisions-Stanzwerkzeug im Staat Idaho stammt diesmal aus St. Gallen in der Schweiz.

12. Welches sind die wichtigsten "swing states", und wie viele Wahlmänner stellen sie?

Florida (27), Ohio (20), North Carolina (15) und Virginia (13).

13. Gab es schon einmal einen schwarzen US-Präsidenten?

Nein, Barack Obama wäre der Erste. Colin Powell und Condoleezza Rice hatten bisher als Außenminister das höchste Amt schwarzer US-Politiker.

14. Wann und wo legt der nächste Präsident den Amtseid ab?

Um 12 Uhr mittags am 20. Januar 2009 auf den Stufen des Capitols in Washington.

15. Welcher US-Präsident leistete als Erster seinen Amtseid in Washington?

Thomas Jefferson am 4. März 1801.

16. Warum wird bei der Amtseinführung ein 21-Schuss-Salut abgegeben?

Dies geht auf britische Traditionen zurück und erweist Staatschefs die Ehre. Zudem ist 21 die Quersumme von 1776 - dem Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

17. Was ist der "Bradley"-Effekt?

1982 verlor der schwarze Kandidat Tom Bradley bei der Gouverneurswahl in Kalifornien gegen seinen weißen Rivalen - obwohl Bradley in Umfragen weit vorne gelegen hatte. Seither beschreibt der "Bradley"-Effekt das Verhalten von Rassisten, die sich in Umfragen für einen schwarzen Kandidaten aussprechen, dann anders wählen.

18. Sind die Wahlmänner an das Votum der Wähler gebunden?

Formell nicht, theoretisch könnten sie für jeden stimmen. Sogenannte "unfaithful electors" - untreue Wahlmänner - hat es aber selten in der US-Geschichte gegeben.

19. Wie viele Amerikaner mit Wahlrecht leben im Ausland?

Mehr als sechs Millionen.

20. In welchem US-Staat leben die meisten Wähler?

In Kalifornien. Es ist mit mehr als 36 Millionen Einwohnern der mit Abstand bevölkerungsreichste Staat.

21. Wer wird nach der Wahl großen Einfluss auf den Präsidenten haben?

Im Fall eines Obama-Sieges wäre es dessen Chefstratege David Axelrod; für den Fall, dass McCain Präsident wird, dessen Stratege Steve Schmidt. Axelrod gilt als höflich, "The Bullet" Schmidt als aggressiv.

22. Welche Themen haben die Kandidaten im Wahlkampf als zu heikel ausgeklammert?

Abtreibung, Homo-Ehen und die umstrittenen Fördermaßnahmen für Minderheiten.

23. Welche Hobbys hat John McCain?

Wandern, Baseball, Basketball; Boxen - vor allem aber gilt er als Meister-Griller.

24. Welche Hobbys hat Barack Obama?

Kochen, Tanzen, Zeit mit der Familie verbringen.

25. Wo lebt Barack Obama?

Obama lebt mit seiner Frau Michelle und seinen zwei Töchtern in einem Haus im Stadtteil Kenwood von Chicago; Illinois.

26. Wo lebt John McCain?

McCain lebt mit seiner Frau Cindy auf einer Ranch in Phoenix, Arizona. Seine Kinder - vier leibliche, ein Adoptivkind und zwei Stiefsöhne - sind erwachsen.

27. Warum heißt es Weißes Haus?

Diesen Namen erhielt es offiziell 1901 von Präsident Theodore Roosevelt, wurde aber wegen seines weißen Außenanstrichs schon vorher so genannt.

28. Welcher Präsident wohnte als erster im Weißen Haus?

John Adams zog am 1. November 1800 dort ein.

29. Wie sieht das Büro des Präsidenten aus?

Der Oval Office genannte Raum im Weißen Haus ist 10,9 mal 8,8 Meter groß und 5,6 Meter hoch. Die Inneneinrichtung wechselt üblicherweise mit jeder neuen Regierung und wird von der First Lady bestimmt.

30. Was bedeutet GOP?

Das Akronym steht heute für die Republikanische Partei, die "Grand Old Party". Statt "großartiger alter Partei" hieß es früher ursprünglich "Gallant Old party" - "ritterliche alte Partei".

31.Was bedeutet WASP?

Die Abkürzung bedeutet Weiße angelsächsische Protestanten - die mächtigste und stärkste Wählergruppe in den USA.

32. Was wird aus dem Irak-Krieg?

Obama will die US-Truppen binnen 16 Monaten abziehen, McCain will sie "bis zum Sieg" im Irak lassen, könnte sich aber vorstellen, sie bis 2013 abzuziehen.

33. Was unterscheidet die beiden möglichen "First Ladies"?

Die Unternehmerin Cindy McCain gilt als scheu, aber diszipliniert. Sie kann Washington nicht leiden und wollte nicht, dass ihr Mann kandidiert. Michelle Obama fühlt sich auf der politischen Bühne wohl, ist leidenschaftlich und kritisiert ihr Land ganz offen.

34. Welches Zitat trug Michelle Obama bei Konservativen den Vorwurf "Vaterlandsverräterin" ein?

"Ich bin dank meines Mannes zum ersten Mal stolz auf mein Land."

35. Welche gesellschaftlichen Gruppen könnten die Wahl entscheiden?

Jungwähler und Latinos. Beide favorisieren Obama.

36. In welchem Land erhielte Obama die meisten Stimmen?

In Dänemark - 81 Prozent. In Deutschland erhielte er 70 Prozent, in Österreich sogar 77 Prozent der Stimmen - nach einer Umfrage des internationalen YouGov Nations Survey.

37. Bei welchem Thema sind sich beide Kandidaten einig?

Bei der Nato-Erweiterung, Obama und McCain möchten Georgien und die Ukraine in die Allianz aufnehmen.

38. Wer ist "Joe the Plumber"?

Joe, der Klempner, heißt Samuel Joseph Wurzelbacher und ist eine Berühmtheit geworden, nachdem er von John McCain als Symbolfigur für die untere Mittelklasse bezeichnet wurde.

39. Was bedeutet "Grassroots"?

Bei einer "Graswurzel"-Bewegung stellen sich Freiwillige in den Dienst einer öffentlichen Sache - sozusagen "von unten". So unterstützt die "Grassroots"-Bürgerbewegung "MoveOn" mit 4,2 Millionen Anhängern Barack Obama mit Haus-zu-Haus-Werbung und Telefonpartys.

40. Woher hat der Urlaubssitz des Präsidenten seinen Namen?

Präsident Dwight D. Eisenhower taufte das Anwesen in Maryland nach seinem Enkel Camp David. Franklin D. Roosevelt hatte es Shangri-La genannt - nach dem mythischen Ort aus einem Roman von James Hilton.

41. Hat ein US-Präsident mehr als zwei Amtszeiten regiert?

Franklin D. Roosevelt trat 1944 sogar für eine vierte Amtszeit an, starb dann aber. 1951 wurde die Begrenzung auf zwei Amtszeiten eingeführt.

42. Wen unterstützt die Intelligenz in den USA?

Am Freitag sprachen sich 76 Nobelpreisträger für Obama aus - ein historisch einmaliger Vorgang.

43. Welche Hollywood-Größen unterstützen Barack Obama?

Die meisten - darunter Tom Hanks, George Clooney, Will Smith, Scarlett Johansson, Matt Damon und Steven Spielberg.

44. Welche Hollywood-Größen unterstützen John McCain?

Wenige - unter ihnen Sylvester Stallone und John Voight.

45. Welches zweite Amt hätte eine Vizepräsidentin Sarah Palin?

Sie wäre zugleich Vorsitzende des Senats. Bei einem Abstimmungs-Patt würde ihre Stimme entscheiden.

46. Wie viele schwarze Senatoren gab es in der US-Geschichte?

Nur fünf - Barack Obama eingeschlossen.

47. Wie viel Geld geben die Kandidaten für Werbung aus?

Barack Obama hat allein im Oktober vermutlich mehr als 100 Millionen Dollar für TV-Werbung ausgegeben - historischer Rekord. McCain kommt allenfalls auf ein Drittel dieser Summe.

48. Wie viele US-Präsidenten wurden im Amt ermordet?

Vier - Abraham Lincoln 1865, James A. Garfield 1881, William McKinley 1901, John F. Kennedy 1963.

49. Welche Präsidenten waren deutschstämmig?

Dwight D. Eisenhower (1890-1969), der 34., und Herbert Hoover (1874-1964). der 31. Präsident.

50. Wie geht es weiter nach der Wahl?

Die 538 Wahlmänner und -frauen kommen am 15. Dezember zusammen und geben in versiegelten Umschlägen ihre - bereits feststehenden - Stimmen ab. Der Präsident des Senats öffnet sie am 6. Januar und liest sie vor.