Zwischenbilanz der US-Regierung

Obama: Sonne, Mond und Sterne

Barack Obama ist der neue Billionen-Dollar-Mann, der Allesmacher und Alleskönner. Jetzt öffnete er noch sein Fotoalbum mit Offiziellem und Privatem.

Washington - 100 Tage im Amt – und Barack Obama ist der neue Billionen-Dollar-Mann, der Charismatiker, der Mann des Volkes, der Allesmacher, Alleskönner. Der US-Präsident feierte sich zum „Jubiläum“ auch gleich selbst und öffnete auf der flickr-Seite im Netz gleich sein Fotoalbum mit Offiziellem und Privatem.

Mehr an Eigen-Vermarktung eines politischen Feldzuges für das Wahre und Gerechte geht kaum. Doch Obama hat längst auch Substanzielles erreicht. Seine Energie für den Wandel („Change“) ist überzeugend: „Es ist eine Mischung von Mut und Präzision in seinem Auftreten. Er fragt nach der Sonne, dem Mond und den Sternen“, schreibt Professor Fred Greenstein. Obamas Ehrgeiz sei zuweilen beängstigend.

Der US-Kongress hat jetzt auch den 3,5 Billionen Dollar (2,7 Billionen Euro) schweren Haushaltsentwurf für 2010 gebilligt. Der Senat votierte mit 53 zu 43 Stimmen, das Repräsentantenhaus mit 233 zu 193 Stimmen dafür. Kein Republikaner sprach sich für den Entwurf aus. Damit segnete das von den Demokraten beherrschte Parlament im Großen und Ganzen die wichtigsten Punkte von Obamas haushaltspolitischen Vorstellungen ab. Bald gibt es mehr Geld für Bildung, Gesundheit und alternative Energien.

Der Haushalt werde „diese Wirtschaft von der Rezession zur Erholung führen und letzten Endes zu Wohlstand“. Allerdings hatten auch Demokraten aus Angst vor einem ausufernden Staatsdefizit dagegen gestimmt.

Auf der landesweit übertragenen Pressekonferenz zum 100. Tag seiner Präsidentschaft schmusen auch die Medien mit Obama. Es gab keine nachbohrenden kritischen Fragen. Vorher hatte bereits „Time“-Kolumnist Joe Klein geschrieben: „Obamas Start war der eindrucksvollste seit Franklin D. Roosevelt.“

Da war Klein noch nicht geboren. Er ist aber einflussreich, weil er der später geoutete Autor des Bill-Clinton-Schlüsselromans „Primary Colors“ ist. Darin beschrieb Klein einen Präsidentschaftsbewerber (Jack Stanton) aus dem Süden mit einer ambitionierten Gattin an seiner Seite und reichlich Hormonüberschuss, der an Geliebte verteilt wird.

Obamas Image dagegen ist quasi unbefleckt. Dass er in 100 Tagen aufräumt, was Vorgänger George W. Bush hinterlassen hat, ist ausgeschlossen. Obama sagte: „Jede Generation hat ihre eigenen Herausforderungen. . . Und wir haben wirklich eine ganze Menge, aber wir werden das schaffen.“

Obamas erste hundert Tage im Amt haben nach Einschätzung des Vatikan die Welt nicht auf den Kopf gestellt. Entgegen mancher Ankündigung im Wahlkampf setze Barack Obama bislang in vielem die Linie seiner Vorgänger fort, selbst in umstrittenen Fragen der Ethik und Bioethik, schreibt die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ in einem Kommentar.