Der Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, hat die EU-Staaten davor gewarnt, mit immer neuen Schulden die Stabilität des Euro zu gefährden. Bei abendblatt.de ist Herr Pöttering exklusiv im Interview.

Berlin. Abendblatt.de: Viele Bürger fragen sich, was die EU ihnen eigentlich bringt – gerade jetzt, in der Wirtschaftskrise. Was antworten Sie?

Hans-Gert Pöttering: Die Europäische Union kann zwar nicht alle Probleme dieser Welt lösen, aber ohne die Europäische Union lösen wir keines der großen Probleme. Die Folgen der Wirtschaftskrise, der Klimaschutz, die Energieversorgung, der Kampf gegen den Terrorismus – all diese Fragen bedürfen einer starken europäischen Stimme. Allein kann Deutschland nicht mehr viel ausrichten.

Abendblatt.de: Was tut die EU für Menschen, die in der Krise ihren Job verlieren?

Pöttering: Die Europäische Union hilft zum Beispiel mit ihrem Sozialfonds. Er stellt Geld zur Umschulung von Arbeitnehmern bereit. Das ist ein Beitrag zur Linderung der schlimmsten Entwicklungen.

Abendblatt.de: Müssen Sie den Fonds aufstocken?

Pöttering: Man kann sicher immer mehr tun. Aber man darf auch nicht in den Fehler verfallen, sich immer weiter zu verschulden. Der Euro erweist sich als großer Segen in der Krise. Die Stärke unserer gemeinsamen Währung können wir nur gewährleisten, wenn wir die Stabilitätskriterien einhalten. Die Mentalität des Schuldenmachens darf nicht zur Grundlage politischen Handelns werden. Sonst gefährden wir die Stabilität des Euro.

Abendblatt.de: Was bedeutet das für Deutschland?

Pöttering: Die vereinbarte Schuldenbremse weist den richtigen Weg. Sie darf nicht aufgeweicht werden.