Merkel setzt sich durch: Auch Banken zahlen für Euro-Rettung

Europa stellt 109 Milliarden Euro für Griechenland bereit. Private Gläubiger übernehmen weitere 37 Milliarden Euro

Brüssel. Europa versucht den Befreiungsschlag: Mit neuen Milliardenkrediten für das taumelnde Griechenland und Kreditzusagen für andere Sorgenkinder wie Italien und Spanien soll die Schuldenkrise in Europa eingedämmt und die Zukunft des Euro gesichert werden. Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten gestern geeinigt. An dem gewaltigen Hilfspaket für Athen beteiligen sich erstmals auch Banken und Versicherungen.

Bis in den späten Abend war um die Einzelheiten der beispiellosen Rettungsaktion gerungen worden, dann stand fest: Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) werden bis Mitte 2014 weitere 109 Milliarden Euro für Griechenland bereitstellen. Für die Hilfskredite soll Athen bei längeren Laufzeiten statt bisher 4,5 nur noch 3,5 Prozent Zinsen zahlen.

Die privaten Gläubiger werden sich bis 2014 zusätzlich mit 37 Milliarden Euro, bis zum Jahr 2019 sogar mit insgesamt 106 Milliarden Euro an der Rettungsaktion beteiligen. Dazu sollen die Banken und Fonds ihre Griechenland-Anleihen in Papiere mit niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten umtauschen oder die Konditionen ihrer Titel verbessern. Weil dies von den Rating-Agenturen wahrscheinlich als teilweiser Zahlungsausfall Griechenlands gewertet wird, soll es umfangreiche Garantien der Euro-Staaten geben.

Die internationalen Märkte reagierten erleichtert auf die Nachrichten aus Brüssel. An allen wichtigen Börsen kletterten die Kurse; vor allem Finanzwerte profitierten. Der Euro-Kurs stieg auf bis zu 1,44 Dollar. Die Risikoaufschläge für Anleihen angeschlagener Euro-Länder gaben deutlich nach. Der deutsche Aktienmarkt bekam kräftig Auftrieb. So schloss der DAX, der am Vormittag noch Verluste verbucht hatte, nach den ersten positiven Signalen aus Brüssel um fast ein Prozent höher bei 7290,14 Punkten.

Mit der Einbeziehung privater Gläubiger hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzt. Bei einem Treffen mit Sarkozy am Vorabend in Berlin hatten sich beide auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Schließlich gab auch die Europäische Zentralbank ihren Widerstand auf. Sie hatte sich gegen eine Beteiligung der Banken gewehrt, weil sie Turbulenzen an den Finanzmärkten fürchtet. Eine verpflichtende Bankenabgabe, wie sie Frankreich forderte, soll es nicht geben.

Merkel lobte das neue Hilfspaket für Griechenland und andere Staaten als wichtige Entscheidung für die Zukunft ganz Europas. Der Euro sei mehr als nur eine Währung, er sei ein "Ausdruck großer Verbundenheit" in Europa, sagte Merkel. "Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück." Spitzenpolitiker der Opposition kritisierten dagegen die Gipfel-Beschlüsse. Griechenland benötige einen "echten Schuldenschnitt", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel im ZDF-"heute-journal".