China will noch immer keine Gefahr erkennen

Der größte Energieverbraucher der Welt baut seine Atomkraft mit Riesenschritten weiter aus

Peking. Nirgendwo in der Welt werden so viele Kernkraftwerke gebaut wie in China. In den kommenden zehn Jahren sollen die Kapazitäten verachtfacht werden. Von Risiken ist selbst angesichts der Atomkatastrophe im benachbarten Japan nicht die Rede. Der Volkskongress hat grünes Licht für Chinas ambitionierte Pläne zum Ausbau der Kernenergie gegeben. Damit will der größte Energieverbraucher der Welt seine Engpässe bewältigen und die Abhängigkeit von Kohle und Ölimporten verringern.

Schon heute verfolgt China ehrgeizige Pläne: 13 Atomreaktoren mit 10,8 Gigawatt sind in Betrieb. Bis 2020 sollen diese Kapazitäten auf 86 Gigawatt steigen. 25 Kernreaktoren sind gegenwärtig schon im Bau, weitere 50 in konkreter Planung. Darüber hinaus gibt es Vorschläge für 70 weitere Reaktoren. Erwartungsgemäß stimmten 2778 Delegierte in der Großen Halle des Volkes für den neuen Entwicklungsplan. Nur 56 stimmten dagegen, während sich 38 Abgeordnete enthielten. Auf einer sorgfältig orchestrierten Pressekonferenz ging Regierungschef Wen Jiabao mit keinem Wort auf die Atomunglücke in Japan ein. Er erwähnte auch nicht die eigenen Atompläne.

Der indische Premierminister Manmohan Singh hat dagegen die sofortige Überprüfung der Sicherheitssysteme aller indischen AKWs angeordnet. Nukleare Sicherheit habe für die Regierung die höchste Priorität, sagte Singh im Parlament in Neu-Delhi. Die Überprüfung solle sicherstellen, dass die Atomanlagen auch schweren Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis standhalten würden.