Dem Jemen droht ein gefährliches Machtvakuum

Hamburg. Die Ankündigungen des Staatschefs klang spektakulär: Er werde Reformen umsetzen, aber keinen Umsturz zulassen, sagte der jemenitische Präsident Ali Abdallah Saleh und kündigte Reformen sowie Verhandlungen mit der Opposition an. Die Worte haben aber nicht ausgereicht, das Land zu beruhigen. Tausende Demonstranten forderten in der Hauptstadt Sanaa auch gestern wieder den Rücktritt Salehs und seines als korrupt geltenden Regimes. Bei Straßenschlachten mit Anhängern Salehs gab es zwei Tote.

Dabei werden die Hauptforderungen der protestierenden Jugend bereits erfüllt: Saleh, der seit 32 Jahren herrscht und den ehemaligen irakischen Despoten Saddam Hussein als Vorbild nennt, will "nur noch" bis zum Jahr 2013 amtieren. Zugleich schloss er aus, dass sein Sohn Ahmed ihn im Präsidentenamt beerbt, was lange als sicher galt. Ein Nachfolger ist damit nicht in Sicht; die Opposition ist nicht organisiert. Damit droht dem bitterarmen Land, in dem al-Qaida zunehmend erstarkt, ein gefährliches Machtvakuum. Außerdem gibt es Abspaltungstendenzen im Süden. Damit könnte der Jemen, dessen Ölreserven ausgeschöpft sind, zu einem failed State (gescheiterten Staat) werden.