Protestwelle schwappt aus Tunesien über Nordafrika

Demonstranten fordern freies und demokratisches Algerien

Algier. Die Welle an Protesten für mehr Demokratie schwappt weiter über Nordafrika. Nach dem Vorbild des Nachbarlandes und mit algerischen und tunesischen Fahnen gingen auch in Algeriens Hauptstadt Algier etwa 300 Oppositionelle auf die Straßen. Ähnlich wie in Tunis sollten die ersten Ansätze einer Protestbewegung auf den Straßen im Keim erstickt werden. Die algerische Polizei hat die Demonstration gewaltsam aufgelöst und nach eigenen Angaben neun Personen verhaftet. Sie hätten mit Steinen und Stühlen geworfen.

In Algerien gilt seit 1992 der Ausnahmezustand. Die Demonstranten forderten ein "freies, demokratisches Algerien". Bei Protesten starben in den vergangenen Wochen mindestens fünf Menschen. Anlass waren unter anderem steigende Lebensmittelpreise. Algerien wird seit 1999 von Präsident Abd al-Aziz Bouteflika regiert. In Marokko versuchten drei Männer, sich selbst anzuzünden. Es handelte sich um die ersten Fälle von versuchten Selbstverbrennungen in Marokko seit Beginn der Unruhen in Tunesien, die durch eine Selbstverbrennung ausgelöst worden waren. Im Jemen haben mehrere Hundert Studenten an der Universität der Hauptstadt Sanaa demonstriert und den Rücktritt von Präsident Ali Abdallah Saleh gefordert.

In Tunesien lassen die Demonstranten auch gut eine Woche nach dem Sturz des Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali nicht locker. Sie wenden sich gegen Mitglieder der alten Führungsriege, die weiter den Ton angeben wollen. Übergangspremier Mohammed Ghannouchi kündigte an, er werde sich nach den Wahlen in sechs Monaten aus der Politik zurückziehen.