Nordkorea

Der Anfang vom Ende eines skurrilen Diktators

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Kim Jong-il scheint die Macht an seinen Sohn übergeben zu wollen. Kim Jong-un wurde offiziell noch nie erwähnt, um ihn ranken sich wilde Spekulationen.

Pjöngjang/Seoul. Überraschung im Reich des skurrilen Diktators Kim: Das kommunistische Nordkorea will in der nächsten Woche eine neue politische Führung bestimmen. Bei der größten Tagung der herrschenden Arbeiterpartei seit 30 Jahren soll am 28. September deren „höchstes Führungsgremium“ gewählt werden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, nachdem das zunächst für Anfang des Monats angekündigte Delegiertentreffen aus unbekannten Gründen verschoben worden war.

Beobachter vermuten, das Regime wolle das Treffen in Pjöngjang nutzen, neben der Neubesetzung von Führungspositionen der Partei die Nachfolge von Machthaber Kim Jong-il (68) abzusichern. So wurde bisher erwartet, dass Kim dazu seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un in eine führende Position bringen will. Ist das bereits der Anfang vom Ende einer diktatorischen Herrschaft?

Auch Kim Jong-il sei als Delegierter des „historischen“ Treffens gewählt worden, „was den einstimmigen Willen aller Mitglieder der Partei, Angehörigen der Armee und der Bevölkerung repräsentiert“, berichtete KCNA. Die Verschiebung des Termins hatte unter anderem neue Spekulationen um den Gesundheitszustand des Diktators ausgelöst. Er soll vor gut zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten haben.

Nach Einschätzung von Beobachtern steht sein 27 oder 28 Jahre alter Sohn bereits seit längerem als Machterbe fest. Er soll in der Schweiz ausgebildet worden sein. Und er ist offenbar nur ein Nachkomme des Diktators Kim, den dieser mit einer Tänzerin gezeugt hat. Kim Jong-ils Aufstieg an die Staatsspitze wurde ebenfalls bei einem Parteikongress im Jahr 1980 offiziell eingeleitet. Er regiert das Land seit dem Tod seines Vaters, des „ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung , im Juli 1994. Über seinen Sohn ist wenig bekannt, in den staatlichen Medien wurde er noch nie erwähnt.