Russland

Moskauer Gericht verurteilt Ausstellungsmacher

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"Verbotene Kunst" mit Christus-Kreuz und Mickey Mouse - Richter sehen die Gefühle von Gläubigen verletzt haben.

Moskau. Ein Moskauer Bezirksgericht hat zwei Ausstellungsmacher wegen antireligiöser Hetze zu Geldstrafen verurteilt. Der Kurator der Ausstellung „Verbotene Kunst“, Andrej Jerofejew, muss 150.000 Rubel (3.800 Euro) Strafe zahlen, der ehemalige Direktor des Sacharow-Zentrums , Juri Samodurow, 200.000 Rubel (5.100 Euro). Die Anklage hatte drei Jahre Haft für beide Angeklagten gefordert. Die Ausstellung habe die Gefühle von Gläubigen verletzt, erklärten die Richter in der Urteilsbegründung.

Vor drei Jahren hatte das Moskauer Sacharow-Zentrum die Ausstellung „Verbotene Kunst“ präsentiert. In den Exponaten der Pop-Art-Schau vermischten sich christliche Symbole mit Motiven modernen Kults, wie Mickey Mouse, schwarzem Kaviar oder Coca-Cola. Die russisch-orthodoxe Kirche protestierte scharf gegen die Bilderschau und forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Samodurow musste die Leitung des Sacharow-Zentrums abgeben.

Jerofejew und Samodurow bestreiten ihre Schuld und haben bereits angekündigt, Berufung einzulegen. Nach ihrer Darstellung diente die Ausstellung, die lediglich hinter einer Wand mit kleinen Gucklöchern zu sehen war, dazu, auf Tendenzen der wiederkehrenden Zensur in Russland aufmerksam zu machen. Zahlreiche Künstler hatten die Angeklagten unterstützt und auf die notwendige Freiheit der Kunst verwiesen.

Der Prozess im Bezirksgericht Taganski wurde durch 3.000 im Gerichtsgebäude verstreute Kakerlaken gestört. Als Zeichen des Protests wurden sie während der Urteilsverkündung von Mitgliedern der russischen Performance-Gruppe „Woina“ ausgeschüttet.