Ungarn

Präsident Schmitt tritt trotz Plagiatsaffäre nicht zurück

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abendblatt.de

Senat der Budapester Semmelweis-Universität stimmt wegen Verstößen gegen Standards für die Aberkennung des Titels für Pal Schmitt.

Budapest. Der ungarische Staatspräsident Pal Schmitt denkt trotz Plagiatsaffäre und Entzug des Doktortitels nicht an Rücktritt. „Mein Gewissen ist rein“, erklärte er am Freitagabend in einem Fernsehinterview. „Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben.“ Die Budapester Semmelweis-Universität für Medizinwissenschaften hatte Schmitt am Vortag den Doktortitel aberkannt. Eine Expertenkommission hatte festgestellt, dass er seine Dissertation aus dem Jahr 1992 fast gänzlich abgeschrieben hatte.

Der Senat, der die Entscheidung getroffen habe, habe ihn nicht einmal angehört, sagte der umstrittene Präsident. Er werde das akademische Urteil aber hinnehmen und es nicht vor Gericht anfechten. „Ich prozessiere nicht, sondern argumentiere“, sagte Schmitt.

Vor dem Präsidentensitz demonstrierten zur Zeit der Ausstrahlung des Interviews rund 300 Menschen gegen Schmitt. Die Worte des Präsidenten quittierten sie mit Gelächter und Pfiffen. Ein Dutzend Aktivisten der Öko-Partei LMP, die am Vormittag Zelte aufgebaut hatten, wollten erst wieder abziehen, wenn das Staatsoberhaupt zurückgetreten sei.

Schmitt war 2010 mit den Stimmen der Abgeordneten der Regierungspartei Fidesz (Bund Junger Demokraten) ins höchste Staatsamt gewählt worden. Der rechts-konservative Ministerpräsident Viktor Orban, der zugleich Fidesz-Vorsitzender ist, soll Schmitt am Donnerstag seine volle Unterstützung zugesichert und darin bestärkt haben, im Amt zu bleiben.

+++ Guttenbergs Stellungnahme: Plagiat war keine Absicht +++

Das Wochenmagazin "HVG“ hatte Anfang des Jahres aufgedeckt, dass der ehemalige Olympia-Fechter und IOC-Funktionär seine Dissertation größtenteils aus einem Werk des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew abgeschrieben haben soll. Die Kommission stellte dazu fest: "Die Arbeit beruht in ungewöhnlich großem Umfang auf textidentischen Übersetzungen.“ 180 der 250 Seiten wiesen "detaillierte Übereinstimmung“ mit dem Werk Georgijews auf.

Für weitere 17 Seiten lasse sich "völlige Textgleichheit“ mit Passagen aus einem Buch des Hamburger Soziologen Klaus Heinemann nachweisen. Zugleich habe Schmitt in seiner Arbeit keinerlei Zitate ausgewiesen und auch nicht mit Fußnoten auf die von ihm verwendeten Quellen verwiesen. Die damalige Universität für Körperkultur habe einen "fachlichen Fehler“ begangen, als sie die Textgleichheiten im Zulassungsverfahren nicht rechtzeitig zur Sprache gebracht habe.

Mit Material von dpa und dapd