Islamisten: Mordkomplott gegen Karikaturisten

Verdächtige in Irland und den USA verhaftet

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Christian Unger

Foto: AP

Nach dem Angriff auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard haben Islamisten nun seinen schwedischen Kollegen Lars Vilks im Visier.

Stockholm/Washington. Man beginnt diese Geschichte am besten mit einem Telefonat. Anfang des Jahres rief ein Mann aus Somalia bei dem schwedischen Künstler Lars Vilks an. Ob er denn die Berichte über den Angriff auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard gelesen habe. Tage zuvor war ein Mann aus Somalia in das Haus des Dänen eingedrungen und wollte ihn mit einer Axt töten. Kurz darauf klingelte Vilks Telefon erneut. Wieder hetzte der Mann gegen den Künstler. "Wir kommen", waren die letzten Worte seiner anonymen Todesdrohung.

Was Vilks und Westergaard verbindet, sind ihre umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed. Vilks hatte 2007 einen Hund mit bärtigem Kopf des Propheten Mohammed gezeichnet, der auf einem Kreisverkehr steht. In der islamischen Welt kam es zu heftigen Protesten. Das Terrornetzwerk al-Qaida hatte 100 000 Dollar Kopfgeld ausgerufen. Man solle den Schweden "wie ein Lamm schlachten". Wie Westergaard steht auch Vilks seit der Veröffentlichung unter Polizeischutz.

Die europäischen Sicherheitsbehörden und der amerikanische Geheimdienst CIA haben am Dienstag bei einer Razzia vier Männer und drei Frauen festgenommen. Sie sollen den Mord an dem schwedischen Künstler geplant haben. Die Männer und Frauen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und leben als Flüchtlinge legal in Irland. Nach Informationen der Fahnder kam ein Teil der Gruppe aus dem Jemen und Marokko nach Europa. Nach der Aufdeckung des Mordkomplotts haben drei schwedische Zeitungen gestern die umstrittenen Mohammed-Karikaturen von Vilks noch einmal nachgedruckt.

Doch die Spuren des Mordkomplotts an Vilks enden nicht in Irland. Sie führen auch ins amerikanische Pennsylvania. Unter den Decknamen JihadJane und Fatima LaRose hat Colleen LaRose im Internet den "Heiligen Krieg" ausgerufen. Gemeinsam mit fünf Komplizen - verstreut in der Welt - suchte sie nach Männern, die diesen "Krieg" mit Terroranschlägen in Europa und Südasien ausfechten sollten. Fahnder des amerikanischen und schwedischen Geheimdienstes konnten LaRose festnehmen. Sie steht in den USA vor Gericht. Ermittler des Geheimdienstes fanden heraus, dass auch LaRose den "direkten Befehl" gehabt haben soll, einen Schweden zu ermorden. Laut dem schwedischen Rundfunksender SR habe Colleen LaRose den Künstler vor ihrer Verhaftung ausspioniert und reiste dafür sogar nach Europa. Ihre Verbindung zur Gruppe in Irland ist bisher aber unklar.

Vilks selbst will sich nicht einschüchtern lassen - und in seinem Haus in Südschweden wohnen bleiben. Unter bekannter Adresse. "Ich zittere nicht gerade vor Angst", sagte er der Nachrichtenagentur TT.