Kommentar: China bei Sicherheitskonferenz

Selbstbewusst und unverfroren

Die Sicherheitskonferenz in München, seit Jahren ein Diskussionsforum für einige der brillantesten und einflussreichsten Köpfe der Welt, hat schon so manchen bemerkenswerten Redebeitrag gesehen. Doch die Einlassungen des chinesischen Außenministers gleich am Eröffnungstag waren schon etwas Besonderes. Das nahezu lässige Auftreten Yang Jiecheis und die Unverfrorenheit, mit der Pekings Topdiplomat behauptete, seine Regierung unterstütze Redefreiheit und Pressevielfalt, kündete von enormem Selbstbewusstsein und einer völlig anderen Wahrnehmung der Chinesen. War Sicherheitspolitik in der Vergangenheit vorrangig eine europäisch-amerikanische Angelegenheit, so zeichnet sich immer mehr eine prekäre multipolare Architektur ab. Neben dem Giganten China werden Staaten wie Indien oder Brasilien zu Global Playern. Zudem entstehen Atommächte, deren Berechenbarkeit stark infrage steht. Verglichen mit dem, was uns erwartet, war die sicherheitspolitische Lage im Kalten Krieg von eherner Stabilität.