Kommentar: Blair vor Untersuchungsausschuss

Warnendes Lehrstück

Thomas Frankenfeld

Um das Jahr 2000 herum hörte ein irakischer Taxifahrer angeblich wirre Gerüchte über Massenvernichtungswaffen. Volle zwei Jahre später erfuhr der britische Geheimdienst davon. Nicht zuletzt diese überaus dubiose Quelle diente dem britischen Premier Tony Blair zur Untermauerung seiner erfundenen Behauptung, der irakische Tyrann Saddam Hussein könne sein todbringendes Arsenal binnen 45 Minuten einsetzen. Blair wollte den Krieg gegen Bagdad, er wollte den militärischen Schulterschluss mit US-Präsident George W. Bush, dem er in seltsamer Weise ergeben war. Einerlei, ob die Londoner Chilcot-Untersuchungskommission zu den Ursachen des Krieges den "Blutschwur" gegen Saddam zwischen Blair und Bush bereits im April 2002 noch beweisen kann - wie ein einzelner Mann aufgrund eifernder Überzeugung, das Richtige zu tun, mit Lügen ein ganzes Land in den Krieg führte und dabei das Völkerrecht und alle Warnungen seiner Juristen ignorierte, ist ein warnendes Lehrstück in entgleister Regierungsführung.