Ukraine

"Gasprinzessin" kommt in die Stichwahl

Kiew. Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine hat ersten Prognosen zufolge keiner der Kandidaten in der ersten Runde die nötige Mehrheit erzielt. Laut Nachwahlbefragungen müssen der pro-russische Oppositionskandidat Viktor Janukowitsch (59) und die pro-westliche Regierungschefin Julia Timoschenko (49) am 7. Februar in eine Stichwahl. Janukowitsch erzielte im ersten Durchgang 32 bis 35 Prozent der Stimmen, Timoschenko kam auf 25 bis 27 Prozent.

Es waren die ersten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine seit der Orangen Revolution vor mehr als fünf Jahren. Die damalige Euphorie ist bei den 46 Millionen Einwohnern längst verflogen. Die Hoffnungsträger von 2004, Viktor Juschtschenko und Timoschenko, lieferten sich als Präsident und Regierungschefin einen erbitterten Machtkampf. Auch Juschtschenko trat gestern nochmals an, doch hatte er von vornherein keine Aussichten auf Erfolg. Janukowitsch ist dagegen ein erstaunliches Comeback gelungen. Noch 2004 schien dem robusten Zwei-Meter-Mann der Weg zum höchsten Staatsamt nach einem Skandal um gefälschte Stimmen für immer verschlossen. Nun geht der Gegner einer weiteren Westanbindung des Landes am 7. Februar mit besten Chancen in die Stichwahl. Anders als die im ukrainisch-national geprägten Westen populäre Timoschenko weiß Janukowitsch den russischsprachigen Osten und Süden des Landes hinter sich. Der Mann, der in seiner Jugend auch wegen Raubüberfalls im Gefängnis saß, zeigt sich heute gern mit Kerze in der Hand in russisch-orthodoxen Kirchen.

Der 1950 in der ostukrainischen Stadt Jenakijewo geborene Janukowitsch ist wie viele seiner Landsleute noch von der kommunistischen Sowjetunion geprägt. Er stieg vom Mechaniker zum Juristen auf. Nach dem Zerfall der Sowjetunion übte er mit Unterstützung von Großindustriellen aus dem ostukrainischen Kohle- und Stahlrevier Donezk zweimal das Amt des Regierungschefs aus. Einen EU-Beitritt des Landes hält er aber weiter höchstens nach einer Volksabstimmung für denkbar. Eine Mitgliedschaft der Ex-Sowjetrepublik in der Nato lehnt er ganz ab und weiß dabei einen Großteil der Bevölkerung hinter sich.