Bombenanschlag auf Atomwissenschaftler in Teheran

Der Tod kam per Fernzündung

Massoud Mohammadi gehörte zu den führenden iranischen Atomwissenschaftlern. Soll der Anschlag auf ihn das Nuklearprogramm verzögern?

Hamburg/Teheran. Wie jeden Morgen verließ Massoud Mohammadi gestern sein Wohnhaus in Qeytariyeh, einem Stadtteil im Norden der iranischen Hauptstadt Teheran, um zu seinem Arbeitsplatz an der Teheraner Universität zu fahren. Als er an einem abgestellten Motorrad vorbeikam, detonierte eine darin verborgene ferngezündete Bombe. Mohammadi war sofort tot, er wurde nur 50 Jahre alt.

Massoud Mohammadi war Professor für Atomphysik - was einen Hinweis auf die Hintergründe des Anschlags liefern könnte. Der staatliche iranische Sender Irib zögerte nicht mit Schuldzuweisungen und sprach von einer "von zionistischen und amerikanischen Agenten gelegten Bombe". "Der Terroranschlag deutet auf das Dreieck der Bösartigkeit aus dem Zionistenregime, Amerika und ihren gekauften Agenten", erklärte das Außenministerium in Teheran. Die Vorwürfe seien absurd, sagte dagegen ein Vertreter des US-Außenamtes.

Falls Mohammadi am iranischen Atomprogramm beteiligt gewesen war - dessen Ziel nach israelischer und amerikanischer Auffassung der Bau von Atomwaffen ist -, dürfte er längst im Visier des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein. Spätestens nachdem Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad gefordert hat, den Staat Israel von der Landkarte zu tilgen, ist Israel entschlossen, eine iranische Atombewaffnung nicht zuzulassen. Dem Vernehmen nach hat sich US-Präsident Barack Obama entschieden in Jerusalem gegen eine Bombardierung der iranischen Nuklearanlagen ausgesprochen, wie sie die Israelis wohl in Planung haben. Noch setzt Obama auf Diplomatie.

Alternativ dazu unterhält Israel offenbar ein Programm zur Sabotage des iranischen Atomprogramms, das auch Morde an führenden Wissenschaftlern einschließen soll. Es soll bereits mehrere Fälle gegeben haben. Im Februar hatte der Londoner "Daily Telegraph" unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise von einem "Enthauptungsprogramm" berichtet. Es diene dazu, die Entwicklung der Bombe zumindest zu verlangsamen. Nach Aussage von Reva Bhalla, einer Chefanalystin des privaten US-Geheimdienstes Stratfor, geht dieses Programm in Kooperation mit der CIA vor sich: "In Zusammenarbeit mit den USA konzentrieren sich israelische verdeckte Operationen auf die Eliminierung von Schlüsselpersonen und auf die Sabotage der iranischen Versorgungskette." Die CIA soll bereits 2006 ihre Finger im Spiel gehabt haben, als in der Anlage Natans 50 Zentrifugen explodierten. Der Tod des führenden Atomwissenschaftlers Ardeshire Hassanpour Anfang 2007, der in der Uran-Konversionsanlage von Isfahan an "Gasvergiftung" starb, soll dagegen das Werk des Mossad gewesen sein. Im Juni verschwand der Nuklearforscher Schahram Amiri während einer Pilgerreise nach Mekka. Es ist ungeklärt, ob er gewaltsam verschleppt wurde oder zum Westen übergelaufen ist.